München. Aschewolke über Nordeuropa, Erdbeben und Tsunami in Japan, Flut in Thailand, Arabischer Frühling – alle Ereignisse brachten Produktionen von Zulieferern zum Stillstand oder trieben zumindest den Unternehmensleitungen die Schweißperlen auf die Stirn. Trotzdem messen 43 Prozent der Unternehmen dem Risikomanagement in der Versorgungskette nur eine untergeordnete Rolle bei, wie eine Studie der Versicherungsmakler von Funk RMCE ergab. Geschäftsführer Hendrik Löffler betont, im Vergleich zum Durchschnitt aller befragten Unternehmen „messen Automobilzulieferer Risikomanagement insgesamt eine höhere Bedeutung bei, betreiben es professioneller, wertorientierter und sind bereit, noch weiter in diesen Bereich zu investieren“.
Aber die Mehrzahl der Unternehmen betreibe Risikomanagement eher als Antwort auf Druck von außen denn aus Überzeugung. „Entsprechend fristen die Systeme vielfach ein Inseldasein als Papiertiger“, bemängelt Löffler. Dirk Naujokat schlägt in die gleiche Kerbe. Der Geschäftsführer von BrainNet Engineers sieht in den Unternehmen oft einen Mangel an Methodenkompetenz. „Der Prozess funktioniert nicht oder er ist nicht etabliert oder zu schwach etabliert. Oder man betreibt Risikomanagement, um ein Audit zu überleben. Man praktiziert es nicht ernsthaft mit dem Ziel, Risikomanagement als aktiven Teil der Unternehmenssteuerung zu etablieren.“Dabei sind sich die Experten einig, dass selbst bei größten Anstrengungen eine völlige Transparenz der Liefernetzwerke nicht erreichbar sein wird. Dafür sind die Strukturen zu komplex, zudem finden ständig Veränderungen im Netzwerk statt. Aber „keine Informationen zu sammeln, ist auch keine Lösung“, betont Löffler. Es gelte, sich im Kern auf wenige, aber wichtige Risiken zu konzentrieren. Bezogen auf die Lieferkette heißt das, zunächst einmal herauszufinden, von welchem Lieferanten die wichtigsten Einzelteile kommen. Geben die eigenen Zulieferer das nicht preis oder wissen sie es selbst nicht, so empfiehlt Naujokat etwa elektronische Bauteile auseinanderzunehmen, die entscheidenden Elemente zu identifizieren und selbst festzustellen, von welchem Lieferanten sie ursprünglich kommen. Sind die entscheidenden Teile und Risiken bekannt, könne auch mit Lieferanten vereinbart werden, dass Sicherheitsbestände besonders wichtiger Teile aufgebaut werden müssen oder dass der Lieferant in der Lage sein muss, ein Teil aus unterschiedlichen Werken zu liefern.Risikomanagement sieht Naujokat aber auch als Aufgabe für die Entwicklung. Denn je mehr Teile eines Produkts standardisiert und austauschbar sind, umso weniger Schaden kann der Ausfall eines Lieferanten anrichten. Klar sei jedoch, dass trotz aller Maßnahmen noch viele Risiken in der Wertschöpfungskette bleiben. Daher sei es auch wichtig, „Fragilität und Unsicherheit als den Standardmodus“ zu akzeptieren. Zulieferer wie Hersteller müssten daher trainieren, auftretende Lieferprobleme möglichst gut zu managen.Ohne Risikomanagement blind in die Katastrophe
Aschewolke über Nordeuropa, Erdbeben und Tsunami in Japan, Flut in Thailand, Arabischer Frühling – alle Ereignisse brachten Produktionen von Zulieferern zum Stillstand oder trieben zumindest den Unternehmensleitungen die Schweißperlen auf die Stirn. Trotzdem messen 43 Prozent der Unternehmen dem Risikomanagement in der Versorgungskette nur eine untergeordnete Rolle bei, wie eine Studie der Versicherungsmakler von Funk RMCE ergab.