Stuttgart. Als Sebastian Ballweg seinen Wagen zum ersten Mal verlieh, hatte er schon ein etwas mulmiges Gefühl. "Man weiß ja vorher nicht, wer sich den Schlüssel abholt." Inzwischen hat der 35-Jährige alle Hemmungen abgelegt und aus dem Teilen seines Autos sogar ein Geschäftsmodell gemacht. 2010 startete der Stuttgarter die Website "Autonetzer.de", eine Internetplattform für privates Carsharing. Wer kein eigenes Auto hat und kurz mal eins braucht, kann sich per Klick den Toyota von Christine nebenan oder den Golf von Peter aus der Nachbarschaft borgen.
Den Preis – meist zwischen 15 und 30 Euro am Tag plus Versicherung – bestimmt der Vermieter, den Schlüssel holt sich der Mieter persönlich ab. 15 Prozent jedes Deals fließen an Gründer Ballweg, der selbst im Schnitt einmal pro Woche sein Auto verleiht. Rund 5000 Carsharer nutzen seine Seite.
Während privates Carsharing erst Fahrt aufnimmt, boomt das professionelle Geschäft mit dem Auto-Teilen schon lange. Deutschlandweit zählte der Bundesverband Carsharing (BCS) zu Beginn dieses Jahres 220.000 Nutzer – 15,8 Prozent mehr als 2011. Im Schnitt teilen sich 39 Menschen ein Fahrzeug.
"Das Auto als Statussymbol verliert zunehmend an Bedeutung", sagt BCS-Geschäftsführer Willi Loose. "Heute dominiert eher ein sachliches Verhältnis." Gerade für die jüngere Generation sei der fahrbare Untersatz nur noch wichtig, um von A nach B zu kommen. "Auf die damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie TÜV, Wartung und Parkplatzsuche wollen sie aber verzichten."
Rund 130 Anbieter tummeln sich laut Verband am Markt. Von Branchenriesen wie der Carsharing-Sparte der Deutschen Bahn "Flinkster" mit 2500 Fahrzeugen und 190.000 Kunden bis hin zu Mini-Firmen wie den "Wasserburger Autoteilern" mit nur einem Fahrzeug.