München. Cloud Computing scheint für Zulieferer nach und nach den Charakter des „Wolkigen“, schwer Einschätzbaren zu verlieren. Nach den Risiken rücken verstärkt die Vorteile in den Fokus. Zu den Anwendern von Cloud-Lösungen, bei denen etwa Daten oder Software auf fremden Servern liegen, zählen die Unternehmen AVL List, Tenneco, A123 Systems und Keiper. Über die Vorteile von Cloud- Lösungen sind sich Manager der vier Unternehmen einig. Cloud- Lösungen seien schnell und ohne große Investitionen zu installieren, nach Bedarf flexibel erweiterbar und sehr effizient bei der oft internationalen Kooperation bei komplexen Projekten. Das waren auch die Gründe, die den Entwicklungsdienstleister
AVL List 2008 dazu bewogen, mit der Vertriebsplattform Salesforce in die Cloud zu starten. Laut AVLGeschäftsführer Michael Blickle müsse man vertriebsseitig oft Projekte mit Volumen im dreistelligen Millionenbereich steuern, bei denen Mitarbeiter aus vielen Ländern tätig sind. Dort sei mit Salesforce ein „enormer Effizienzgewinn bei Kooperation und Kollaboration möglich“. AVL führte 2010 als Erweiterung noch die Kollaborationsplattform Chatter ein, „die es ermöglicht, die gesamte AVL-Vertriebskommunikation und Zusammenarbeit auf der Vertriebsplattform abzuwickeln“, so Blickle. 2012 sollen auch der Kundendienst und das Marketing auf die Plattform verlagert werden. „Egal ob der Datenserver physikalisch innerhalb der AVL oder bei Salesforce.com steht – entscheidend ist: In beiden Fällen besteht eine Internetverbindung und es geht ausschließlich darum, die nötige Datensicherheit zu garantieren“, sagt Blickle.
Tenneco Emission Control Europe setzt Salesforce bereits für das globale Management von Kundenbeziehungen ein und erwägt eine Ausdehnung. Vor jedem Schritt in die Cloud durchleuchte man den jeweiligen Anbieter aber sehr genau, erläutert Wolfgang Reuter. Und „sollte das Risikoprofil nicht akzeptabel sein, wenden wir keine cloudbasierten Lösungen an“, so der Manager im Abgasgeschäft von Tenneco Europe. Reuter kann sich bei einem wachsenden „Reifegrad“ der Cloud-Services auch einen „zunehmenden Transfer von Standardprozessen in einen cloudbasierten Service“ vorstellen.
Noch gibt es aber klare Grenzen. Die Rechtsabteilung etwa sei „noch nicht bereit, eine cloudbasierte Lösung für das Management von Verträgen zu implementieren“ und bevorzuge das firmeneigene Netzwerk. „Auch die Haltung von Daten, welche das geistige Eigentum unserer Kunden, unserer Lieferanten und unseres Unternehmens betreffen“, sei ein Bereich, in dem Sicherheitsrisiken schwerer wögen als die potenziellen Vorteile einer Cloud-Lösung.