Leipzig. Fest gefügt und kaum noch dynamisch - so sind seit Jahren die Verhältnisse auf den Automobilmärkten Westeuropas. Vollkommen anders stellt sich dagegen die Situation auf den Pkw-Märkten in Mittel- und Osteuropa dar: Nirgendwo außerhalb Asiens wächst die Nachfrage schneller.
Allerdings - es gibt auch eine Ausnahme: In Polen, vor einigen Jahren noch eine der Lokomotiven bei den Neuwagenverkäufen, brach der Markt von 672.000 Einheiten 1999 auf rund 240.000 im Jahr 2006 ein. Immerhin stieg der durchschnittliche Preis eines Neuwagens dort im vergangenen Jahr auf beachtliche 17.331 Euro, wie der Marktbeobachter Jato Dynamics ermittelte.
Grund für den massiven Einbruch: Mit dem Beitritt zur EU wurde der Import von Gebrauchtwagen erleichtert. "In Polen wurden allein im vergangenen Jahr rund 800.000 gebrauchte Autos eingeführt", sagt Henner Lehne vom Prognoseinstitut CSM Worldwide. Der vor einigen Jahren noch gesetzlich beschränkte Import alter Fahrzeuge drückt auf die Neuwagenverkäufe.
Auch der ungarische Markt kühlt spürbar ab. Doch werde sich die Situation spätestens dann wieder ändern, wenn auch die neuen EU-Staaten im Osten die EU-Richtlinie zum CO2-Ausstoß übernehmen, sagt Marktexperte Lehne.
Ein stabiler Boom dagegen herrscht in Russland, wo der Neuwagenmarkt in diesem Jahr auf zirka 1,9 Millionen Fahrzeuge anwachsen wird. Die russischen Hersteller halten zwar ihre Stückzahlen noch konstant, partizipieren aber nicht am Wachstum. Von den aufstrebenden Automarken hat keine ein "Heimrecht". Einerseits wird der Wettbewerb dadurch sehr intensiv, andererseits können sich einzelne Anbieter völlig neu positionieren. "Toyota spielt in Russland die Rolle eines Premium-Massenherstellers, vergleichbar mit VW hierzulande", sagt Analyst Lehne. "Auch Ford ist in Russland sehr gut aufgestellt." Von rund 2000 Autos der Marke im Jahr 1999 kletterten die Verkäufe auf knapp 140.000 im vergangenen Jahr.
Überhaupt sind US-Marken äußerst beliebt im Osten. Cadillac ist in Russland vergleichsweise stark, und sogar Hummer-Modelle werden als Car-Kits importiert.
Das schillerndste Feuerwerk jedoch ist derzeit in der Ukraine zu sehen. Wie der "AID-Newsletter" vermerkt, hat sich der Neuwagenabsatz dort binnen fünf Jahren versechsfacht. Im vergangenen Jahr wurde mit 371.000 verkauften Einheiten ein neuer Rekordwert erzielt - und der lag satte 40 Prozent über dem des Vorjahres. Auch in diesem Jahr stehen die Zeichen auf Expansion, die Verkäufe der ersten Monate 2007 jedenfalls übertrafen erneut alle Erwartungen.
Darüber hinaus ist die Ukraine der größte Testmarkt der aufstrebenden Region. Hier erproben zahlreiche Hersteller ihre Modelle auf Ost-Tauglichkeit. Darunter vor allem chinesische Autobauer wie Brilliance und Chery, für die das Land eine Art Brückenkopf für den Eintritt in den europäischen Markt darstellt.
Zu den gegenwärtig meistverkauften Autos der Region gehört der Dacia Logan, gefolgt von den Skoda-Modellen Fabia und Octavia - damit ist Skoda die beliebteste Marke in Mittel- und Osteuropa. Auf den Plätzen vier, fünf und sechs folgen Opel Astra, Daewoo Lanos und Renault Clio.
Vor allem Stufenheckmodelle sind beliebt. Daher bringt Opel den Astra nun mit separatem Kofferraum, Fiat schickt den Linea (Europa-Premiere auf der AMI) ins Rennen, und bei Toyota denkt man angeblich über einen Stufenheck-Yaris namens Belta nach.