Frankfurt. Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen verdient wieder Geld mit seinem US-Geschäft trotz eines Absatzrückgangs. "Unsere Vertriebsorganisation schreibt zum ersten Mal wieder schwarze Zahlen – und das, obwohl wir in den USA bis zum September weniger Autos als im Vorjahr abgesetzt haben", sagte der neue USA-Chef Stefan Jacoby dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Im September hat Europas größter Autokonzern demnach 18.891 Autos in den USA verkauft, 6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Das Absatzminus in den ersten neun Monaten lag bei 4 Prozent.
Als Kernproblem beschrieb Jacoby die große Zahl VW-Kunden, die der Marke den Rücken kehrten. "Momentan verlieren wir 34 Prozent unserer Käufer. Bei den Wettbewerbern sind es im Schnitt nur 12 Prozent." Maßnahmen, mit denen die Kundenloyalität erhöht werden soll, stünden deshalb im nächsten Jahr im Vordergrund. "Die Marke Volkswagen ist bekannter als Toyota, aber uns springen zu viele Interessenten während des Verkaufsprozesses ab", sagte er der Zeitung. Als Grund wird nicht zuletzt der Preis genannt.
Volkswagen hat Jacoby als Sanierer in die USA entsandt. In dem Markt hat der Konzern aufgrund des starken Euros und einer verfehlten Modellpolitik in den vergangenen Jahren viel Geld verloren. Wie das Handelsblatt schreibt, verlegt VW nun seinen US-Firmensitz von Auburn Hills nahe Detroit in den Raum Washington. 400 Stellen fielen dadurch weg. Zudem habe VW spezielle Autos für den US-Markt sowie Veränderungen im Händlernetz angekündigt. Auch der Bau eines Werks werde geprüft, um die Abhängigkeit vom Dollarkurs zu verringern. Bislang stammen die Wagen für die USA aus einer mexikanischen Fabrik sowie aus Europa. Jacoby sagte dem "Handelsblatt", er habe nach Gesprächen mit den Händlern das Gefühl, die Stimmung drehe sich. "Wir stärken die Verantwortlichen in unseren vier Regionen. Bisher waren wir viel zu bürokratisch." An der Zahl von 620 VW-Händlern solle sich nichts ändern. (dpa-AFX/gem)