Detroit. Der erste landesweite Streik seit 1970 gegen General Motors (GM) hat sämtliche 80 Werke, Betriebe und Lagerhäuser des Autokonzerns in den USA lahmgelegt. 73.000 GM-Arbeiter hatten am Montag mit dem Ausstand begonnen. Die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers) und der US-Autoriese hatten sich nach langen Verhandlungen nicht auf einen neuen vierjährigen Tarifvertrag einigen können.
Der vorherige Tarifvertrag war am 14. September ausgelaufen. Nach dem Streikbeginn wurden die Verhandlungen am Montag wieder aufgenommen. Die Tarifpartner wollten die Gespräche am Dienstag fortsetzen. Es stehen auch noch neue US-Tarifverträge bei den beiden Autobauern Ford und Chrysler an, die fast völlig an ein GM-Abkommen angeglichen werden sollen.
Ein einmonatiger Streik könnte GM nach Schätzungen von Wall- Street-Experten fünf bis acht Milliarden Dollar (5,7 Mrd Euro) kosten, während ein kurzer Ausstand dem Unternehmen angesichts hoher Neufahrzeug-Bestände bei den amerikanischen GM-Händlern kaum schaden würde.
Bei dem Disput geht es nach Darstellung von UAW-Chef Ron Gettelfinger vor allem um die Sicherung von Arbeitsplätzen in den USA und um die Verteidigung von Löhnen und anderen Leistungen. Die UAW verlangt Arbeitsplatzgarantien von GM, um eine weitere massive Schrumpfung des US-Geschäfts und eine weitere Verlagerung von Produktion und Entwicklungszentren ins Ausland zu vermeiden. "Wir haben eine Menge getan, um der Gesellschaft zu helfen", erklärte Gettelfinger. Es komme aber ein Zeitpunkt, an dem man eine Linie in den Sand ziehen müsse.
Kein Hindernis für einen Tarifabschluss scheint hingegen die Übertragung von mehr als 50 Milliarden Dollar an Krankenversicherungsverpflichtungen für das große Heer der GM- Betriebsrentner auf einen von der Gewerkschaft zu verwaltenden neuen Spezialfonds. Er soll von der Gewerkschaft verwaltet und von GM teilfinanziert werden. Gettelfinger zeigte sich im Hinblick auf diesen Fonds verhandlungswillig.