Aus der Krise von General Motors, Ford und Chrysler in den USA kann man vieles lernen. Die wichtigste Lektion aber ist diese: Unternehmen, die keine nachhaltige Strategie verfolgen, geraten früher oder später in existenzielle Bedrängnis. In der US-Autoindustrie wurden Tarifverträge abgeschlossen, die die Unternehmen Jahre später mit horrenden Pensions- und Gesundheitskosten belasteten. Und das nur, um in Zeiten voller Auftragsbücher einen Streik zu vermeiden. Da wurde kaum in neue Produkte investiert, um den Gewinn aufzublähen und das Unternehmen für Investoren und Aktionäre attraktiv erscheinen zu lassen. Eine Falle, in die Jürgen Schrempp getappt ist, als er Chrysler übernahm. Da konzentrierten sich die Entwicklungsabteilungen nur auf die profitablen Light Trucks und überließen der Konkurrenz aus Übersee das scheinbar wenig attraktive Pkw-Segment. Eine Fehlkalkulation, wie sich jetzt zeigt. Und warum das alles? Um ein paar Quartale lang einen exorbitant hohen Gewinn auszuweisen. Motto: Nach uns die Sintflut. Die spült nun nicht nur die Lebensplanungen Zigtausender Arbeiter hinweg, die ihren Job verlieren. Auch die Aktionäre, die anders als Kirk Kerkorian bei Chrysler und GM nicht rechtzeitig Kasse gemacht haben, gucken in die Röhre. Dass dieses Virus auch in anderen Branchen und in anderen Ländern grassiert, ist ein schwacher Trost. Beispiele für eine erfolgreiche, weil nachhaltige Strategie gibt es genug: Toyota hat in Deutschland lange einen Großteil des Gewinns in die weitere Erschließung des Markts investiert - in der Gewissheit, dass sich das eines Tages auszahlt. BMW hat mit seiner lupenreinen Premium-Strategie das Markenimage gefestigt. Bosch hat sich nie gescheut, auch dann in Forschung und Entwicklung zu investieren, wenn die Geschäfte schlecht liefen. Audi hat sich innerhalb von gut 20 Jahren von der Allerweltsmarke in den Marken-Olymp vorgearbeitet. Das konnten diese Unternehmen nur deshalb, weil sie geduldige Investoren hatten, die immer bereit waren, auf schnellen Gewinn zu verzichten - zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung. Dass sich ein solches Denken auch in Zeiten von Klimaerwärmung und CO2-Debatte auszahlt, versteht sich von selbst. Das ist eben der Kern von Nachhaltigkeit. Genau diese Themen werden im Mittelpunkt des ersten Automobilwoche-Kongresses am 6. und 7. November in Berlin stehen.
Wir sehen uns am Potsdamer Platz.