Wolfsburg. Nach dem Wechsel im Topmanagement stellt der VW-Konzern seine Konzepte für Hybridantriebe auf den Prüfstand. Die Verbindung von Elektro- und Verbrennungsmotor soll Verbrauchswerte und CO2-Ausstoß reduzieren und wird etwa im Van Touran unter der Bezeichnung "Highbrid" erprobt.
Die Chancen für einen baldigen Serieneinsatz in der Kompaktklasse sind inzwischen jedoch rapide gesunken. Wie Automobilwoche aus dem Unternehmen erfuhr, stuft der neue VW-Chef Martin Winterkorn die zu erwartenden Absatzzahlen für einen Hybrid-Touran als "bei Weitem zu niedrig" ein. Auch bei der Golf-Limousine und dem darauf basierenden VW Jetta "rechnet sich der Business Case Hybrid vorne und hinten nicht", so ein VW-Insider, der den Mehrpreis für einen Hybridantrieb auf mindestens 2000 Euro schätzt. Ein Aufschlag, den im preissensiblen Kompaktsegment nur wenige Neuwageninteressenten zu zahlen bereit wären. Denn Verbrauchsvorteile gegenüber einem Diesel sind kaum zu erkennen.
Die aktuelle Marktanalyse steht im Gegensatz zu früheren Plänen von Bernd Pischetsrieder. Der jüngst abgelöste VW-Lenker hatte die Einführung des Jetta mit sogenanntem Mild-Hybrid für das Modelljahr 2008 zunächst für Kalifornien angekündigt. Auf den Zulieferauftrag für die Hybridkomponenten hoffte unter anderem Continental Automotive Systems.
Mit Hochdruck hingegen arbeitet VW an der Hybrid-Version des Geländewagens Touareg. Nach derzeitigem Planungsstand wird das vor Kurzem modellgepflegte SUV bereits Ende 2008 als erster Serien-VW mit Hybridtechnik zu haben sein. Gemeinsam mit dem VW-Großaktionär Porsche, dessen Baureihe Cayenne wie der Touareg auf der VW-Plattform PL 71 basiert, setzt VW auf eine vom Stuttgarter Zulieferer Bosch konzipierte Voll-Hybrid-Lösung, die Allradantrieb auch im rein elektrischen Fahrmodus bieten wird.
Indessen drückt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei der Ko-Entwicklung der nächsten Generation von Touareg und Cayenne aufs Tempo. Das neue Porsche-SUV (PL 72), ebenfalls auf Wunsch als Hybrid erhältlich (PL 75), möchte Wiedeking möglichst schon Anfang 2010 auf den Markt bringen - ein halbes Jahr vor dem neuen VW Touareg. Hintergrund der Eile ist die Sorge um weiter steigende Spritpreise, die das SUV-Geschäft vor allem in Nordamerika belasten.