Rüsselsheim. Nach der Entscheidung von GM Europe, die nächste Generation des Opel Astra ab 2010 in den Werken Bochum, Ellesmere Port, Gleiwitz und Trollhättan zu bauen, muss sich das unterlegene GM-Werk Antwerpen nun gegen einen möglichen Konkurrenz-Standort in Rumänien rüsten. Speziell zwischen den Werken Bochum und Antwerpen hatte sich zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen entwickelt, in dessen Verlauf Gerüchte um eventuelle Werksschließungen die Runde machten.
Nun müssen sich die Belgier gegen ein Werk in Rumänien positionieren, denn GM ist wie auch Ford konkret an der Übernahme des ehemaligen Daewoo-Werks im rumänischen Craiova interessiert. "Wenn das Produktionsvolumen in Antwerpen auch nach 2010 sichergestellt werden soll, ist nach unserer Einschätzung der Kauf eines Werks in Rumänien für den Konzern uninteressant", erklärt dazu der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz.
GM Europe-Chef Carl-Peter Forster hat wegen des Erfolgs von Chevrolet speziell in Osteuropa bereits erwogen, die bislang nur in Korea gebauten Autos auch in Europa montieren zu lassen. Dafür hat Forster auch das Werk in Antwerpen ins Auge gefasst. Die Effizienz des belgischen Standorts spräche laut Franz für eine Produktion der preislich unterhalb von Opel angesiedelten Fahrzeuge. "Antwerpen gehört zu den wirtschaftlichsten Standorten des Konzerns", so Franz. Daher sei die Entscheidung, die nächste Generation der GM-Kompaktklasse nicht dort zu bauen, "politisch motiviert" gewesen, so Franz weiter. Ein Manager von GM Europe spricht in diesem Zusammenhang von einer "gerechten Verteilung der Lasten".
Demnach haben die Werke im britischen Ellesmere Port und in Bochum bereits ihren Einsparbeitrag durch Schicht-Kürzungen und Stellenabbau geleistet. "Jetzt war eben Antwerpen an der Reihe", so der Manager. Eine Werksschließung sei aber von vornherein ausgeschlossen gewesen. Dennoch hatte sich Antwerpen offenbar auf lang anhaltende Streiks für diesen Fall vorbereitet und bereits 20.000 Astra vorproduziert. Franz betont allerdings, dass GM "klare Zusagen gegeben hat, das Werk nicht zu schließen". In den kommenden Verhandlungen muss erarbeitet werden, welche Modelle in welchen Stückzahlen künftig in Belgien gebaut werden. Laut Franz ist es das oberste Ziel, "so viel Volumen wie möglich, aber auf jeden Fall eine Jahreskapazität im sechsstelligen Bereich" zu sichern.
Derzeit laufen in Antwerpen pro Jahr rund 235.000 Fahrzeuge von den Bändern. Für Franz spricht vor allem "die Einsparung bei den Logistikkosten von rund 500 Euro pro Auto" für eine Chevrolet-Produktion in Europa. Dabei will er jedoch unbedingt den "Go-East-Marsch einschränken", da man in Antwerpen "produktiv und kostengünstig Autos bauen kann".