Wolfsburg. VW-Chef Martin Winterkorn trimmt das Kleinwagenkonzept New Small Family (NSF) nachdrücklich auf Rentabilität. Um die wichtigste Neuentwicklung von Volkswagen seit dem Käfer-Nachfolger Golf auf Anhieb profitabel zu gestalten, hat Winterkorn für sein erstes Pkw-Projekt als VW-Konzernlenker strengste Kosten- und Erlösvorgaben gesetzt. Dies geht aus geheimen Unternehmenspapieren hervor, die Automobilwoche einsehen konnte.
Demnach hat VW die Laufzeit der heckgetriebenen Einstiegsbaureihe – „Start of Production“ (SOP) ist im September 2010 – „aus wirtschaftlichen Gründen“ auf neun Jahre fixiert. Üblicherweise erfolgt der Modellwechsel im Kleinwagensegment nach spätestens sieben Jahren.
Konservativ kalkuliert der Hersteller bei den erwarteten Absatzzahlen: Laut interner Planung können in Westeuropa jährlich 100.000 NSF-Einheiten als Volkswagen verkauft werden. Mit entsprechenden Ablegern der Tochtermarken Seat und Skoda soll das Volumen hier auf 200.000 Stück steigen. Da die NSF-Typen auch auf Wachstumsmärkten wie Indien und Russland angeboten werden, hofft VW auf einen Gesamtabsatz von weltweit 462.000 Fahrzeugen pro Jahr.
Die NSF-Gesamtstückzahl projektiert VW mit „4.158.000 Einheiten über neun Jahre“ bewusst zurückhaltend. „Winterkorn gibt erreichbare Ziele vor“, so ein VW-Insider, „da wir uns mit dem Kleinwagen auf Neuland wagen – und das Soll später gern übertreffen.“
Höher als bisher erwartet werden die Basispreise der NSF-Autos ausfallen. So hat der VW-Vorstand als Zielpreis für den 3,45 Meter langen Dreitürer nun 8950 Euro festgelegt. Bisher galten knapp 8000 Euro als Richtgröße (Automobilwoche 19/2007). Für das fünftürige NSF-Derivat mit um 80 Millimeter längerem Radstand will VW mindestens 9450 Euro verlangen. Um Entwicklungs- und Fertigungskosten zu sparen, ist in dem vertraulichen NSF-Dossier „größtmöglicher Gleichteileumfang“ ausdrücklich vorgeschrieben.
Die Produktion der für Deutschland und weitere Märkte in Europa bestimmten NSF-Kontingente könnte das tschechische Skoda-Werk Vrchlabi übernehmen, das eine „Schlüsselposition“ im VW-Konzern erhalten soll.