Wolfsburg. Im Streit zwischen dem Betriebsrat des Volkswagen-Konzerns und Großaktionär Porsche bahnt sich ein Kompromiss an. Wie aus dem Umfeld von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verlautet, könnte die Belegschaftsvertretung von VW die Besetzung der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat der künftigen Porsche Automobil Holding mit je drei Porsche- und VW-Vertretern zähneknirschend akzeptieren. Als Gegenleistung jedoch erwarten die Wolfsburger ein Einlenken von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Porsche-Arbeitnehmervertreter Uwe Hück im zähen Ringen um die Betriebsratsstruktur der Holding, die künftig die VW-Anteile kontrollieren soll.
"Wenn der Betriebsrat der Porsche Holding wie zunächst geplant nur 40 Personen umfassen würde, könnte VW die Interessen seiner zahlreichen Produktionsstätten in Europa nicht annähernd adäquat abbilden", rügt ein Insider. "Das Gremium sollte deutlich mehr Personen umfassen - und bei Abstimmungen die weitaus größere Belegschaft von VW im Vergleich zu Porsche angemessen berücksichtigt werden."
Unter VW-Mitarbeitern hält das Misstrauen gegenüber Großaktionär Porsche an, wie Befragungen dieser Zeitung vor dem Stammwerk Wolfsburg nach den Informationsveranstaltungen des Betriebsrats am vergangenen Mittwoch (31.10.) ergaben. "Wir wurden verraten und verkauft", schimpfte ein Werker, der ungenannt bleiben will. "An die Sicherung unserer Arbeitsplätze bis 2011 glaube ich nicht mehr", sorgt sich ein anderer. "Eine gewisse Skepsis bleibt", sagt Eberhard Liebe aus der Abteilung Ideenmanagement im Konzern-Personalwesen. "Aber nachdem das VW-Gesetz nun mal gekippt wurde, ist Porsche wohl am ehesten der richtige Partner." Stefan Ratz, Auszubildender in der Lehrwerkstatt von Halle 5A, fühlt sich "etwas ruhiger nach den Erklärungen des Betriebsrats". Kämpferisch gibt sich Claudia Lautenbach, Planerin im Karosseriebau: "Das letzte Wort zur Mitbestimmung bei Porsche ist längst noch nicht gesprochen."