Wolfsburg. Volkswagen steht vor einer Wiederbelebung der Premium-Strategie früherer Jahre. Der Aufsichtsrat hat am Donnerstag vergangener Woche (11.1.) eine umfassende Reorganisation des Autokonzerns genehmigt. Sie gibt dem seit Jahresbeginn amtierenden Vorstandschef Martin Winterkorn nach dem jüngst verkündeten Ausstieg von Markenvorstand Wolfgang Bernhard freie Hand für einschneidende Korrekturen am Profil der Kernmarke VW.
Bei der Neuausrichtung von VW hält Aufsichtsratspräsident und Winterkorn-Förderer Ferdinand Piech die Fäden in der Hand. Wie Automobilwoche aus dem Topmanagement erfuhr, drängt der frühere Vorstandsvorsitzende hinter den Kulissen bereits seit Monaten auf eine Überarbeitung der von Bernhard verantworteten Modellplanung. So hat Piech bei Abnahmefahrten künftiger VW-Modelle verlangt, das Ende 2007 anlaufende Kompakt-SUV Tiguan zusätzlich mit dem bislang nicht vorgesehenen TFSI-Motor des Audi S3 (265 PS) anzubieten.
Auf diese Weise hofft Piech, mit dem geländegängigen Golf-Derivat auch betont leistungsorientierte Kunden anzusprechen, die sich für den X3 von Wettbewerber BMW interessieren. Für das 2008 startende Coupé Scirocco fordert Piech die Option eines prestigeträchtigen V6-Benziners, um den Premiumanspruch der Marke VW zu unterstreichen – eine Strategie, die er bereits als VW-Vorstandschef (1993–2002) verfolgt hatte.
In Wolfsburger Führungskreisen stoßen die Strategiepläne von Piech und Winterkorn nicht auf ungeteilte Zustimmung. „Die Auflösung der Markengruppen VW und Audi dient vor allem einer größeren Machtfülle des neuen Konzernchefs“, fürchtet ein Insider. „Dieser Paradigmenwechsel geht einher mit dem Zentralismus der Vorstands-Ära Piech.“ Für Ärger sorgt intern auch das neue Konzernressort Vertrieb.