München. Toyota will sich künftig mehr Zeit bei der Entwicklung neuer Modelle lassen. Die teuren Rückrufaktionen der Vergangenheit zwingen den Konzern dazu, schon in der Entwicklung verstärkt auf Qualität zu setzen. "Wir verfehlen unsere internen Vorgaben", sagt Bob Carter, Geschäftsführer von Toyota Motor Sales USA, "wir müssen den Qualitätsbereich nach vorne bringen." Dazu wollen die Japaner mehr Prototypen bauen, zusätzliche Ingenieure einstellen und so in der Entwicklung deutlich mehr Geld aufwenden, um eine weitere Verschlechterung der Produktqualität zu verhindern. Die Einführung geplanter Modelle soll sich dadurch jedoch nicht verzögern. Man werde mit der Entwicklung früher beginnen, heißt es bei Toyota. Bislang waren die Japaner bemüht, die Entwicklungszeiten zu verkürzen, unter anderem durch den Einsatz virtueller Prototypen. Allerdings häuften sich die Rückrufaktionen und erreichten 2005 einen Negativrekord für den qualitätsbewussten Konzern, als weltweit rund 880.000 Geländewagen und Pick-ups wegen Problemen an der Radaufhängung nachgebessert werden mussten. Davon betroffen war unter anderem das auf dem Camry - ein Verkaufsschlager in den USA - basierende SUV Highlander. Dessen Neuauflage, die gerade zu den amerikanischen Händlern rollt, ist das erste Modell, dem die Maßnahmen zur Qualitätssteigerung zugute gekommen sein sollen.
Toyota lässt sich mehr Zeit
Beim Highlander wurde die Entwicklungszeit im Vergleich zum Vorgänger zwar von 24 auf 17 Monate verkürzt, daran waren jedoch mehr Ingenieure beteiligt als geplant - und ursprünglich war noch weniger Zeit veranschlagt. "Die Fahrzeuge werden immer komplexer", sagt Yukihiro Okane, Entwicklungsleiter der Camry-Reihe, "daher mussten wir die Entwicklungs- und Produktionsprozesse neu organisieren." Die zur Steigerung der Produktqualität von Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe ins Leben gerufene "Customer-First"-Initiative ist laut Okane "ein kosten- und zeitintensiver Prozess, der kontraproduktiv zu den verabschiedeten Plänen zur Reduzierung von Kosten, Arbeitskräften und Entwicklungszeit wirkt".
Mehr Ingenieure in Europa
Auch in Europa häufen sich die Rückrufaktionen. Unter anderem wurden 2006 rund 200.000 Corolla aus türkischer Produktion wegen Airbag-Problemen in die Werkstätten geholt. Im vergangenen Mai mussten 166.000 Yaris nachgebessert werden. Toyota Motor Europe (TME) sucht daher bis 2010 rund 700 Ingenieure für Forschung und Entwicklung. Laut TME ist es dabei besonders problematisch, erfahrene Mitarbeiter für den Bereich Elektronik zu finden. In Deutschland, wo die gesamte Formel-1-Entwicklung stattfindet, hat Toyota ebenfalls erhöhten Fachkräfte-Bedarf. "Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach erfahrenen Aerodynamikern, da die Luftfahrtindustrie derzeit viele Kräfte in diesem Bereich bindet", sagt Andy Fuchs, Geschäftsführer Marketing bei Toyota Motorsport.