München. Auch ohne die vier Ringe war klar zu erkennen, welches Auto als überdimensionales silbernes Modell vor dem Brandenburger Tor stand, als sich Deutschland im WM-Jahr mit dem Titel "Land der Ideen" präsentierte. Den Audi TT in der Imagekampagne als Symbol für die innovativen Ideen der deutschen Autobauer zu wählen, ließ sich gut begründen. Denn bereits drei Mal in Folge wurde Audi vom Deutschen Institut für Betriebswirtschaft (DIB) zum Hersteller mit dem besten Ideenmanagement in Deutschland gekürt.
Mittlerweile kann Ralph Börner als Leiter der Ideen-Agentur bei Audi sogar den vierten Sieg im angesehenen DIB-Report verzeichnen. Den großen Bruder Volkswagen lassen die Ingolstädter dabei weit hinter sich. Opel, BMW und DaimlerChrysler folgen auf den Plätzen. Deutlich abgeschlagen: Porsche und Ford. Dabei ist die Zahl der Angestellten für den Benchmark-Vergleich nicht entscheidend.
Im Onlinesystem Audimax haben Audi-Mitarbeiter aller Unternehmensbereiche und Hierarchiestufen im vergangenen Jahr 34.162 Ideen eingetragen, jede zweite davon wurde umgesetzt. Dem Unternehmen brachte dies 47 Millionen Euro Einsparung, den Mitarbeitern 5,2 Millionen Euro an Prämien ein.
Keinem anderen deutschen Autobauer gelingt es bislang, so viele der eingereichten Vorschläge in Wertschöpfung umzusetzen. Börners Ziel für das laufende Jahr ist eine Realisierungsquote von rund 60 Prozent. Denn die Unternehmen haben nicht nur das Etikett "Vorschlagswesen" gegen modernere Bezeichnungen wie Ideenmanagement oder Verbesserungsmanagement ersetzt, sie haben dabei auch ihre Ziele neu definiert. Es geht nicht mehr darum, möglichst viele Ideen zu sammeln, sondern zu den drängenden Problemen schnell die passenden Lösungen zu finden. Bei BMW gingen Ende der 1990er-Jahre rund 50.000 Vorschläge der Mitarbeiter ein, heute sind es nur noch 20.000. "Damals haben wir gemerkt, dass wir sehr viel Aufwand damit haben, der nicht zu Wertschöpfung führt. Deshalb wollten wir von der Masse zur Klasse", sagt Johann Lengl, weltweit für das Ideenmanagement bei BMW zuständig.
Audi und BMW setzen wie die meisten anderen Hersteller auf ein dezentrales Ideenmanagement. "Wenn ein Mitarbeiter eine Idee einreicht und dann sehr lange auf eine Reaktion warten muss, hat er schnell keine Lust mehr", sagt Audi-Ideenmanager Börner. Deshalb melden die Angestellten heute nicht mehr auf Papier ihren Vorschlag an eine zentrale Sammelstelle, sondern online, teilweise sogar von zuhause, direkt an den Vorgesetzten. Er bespricht die Idee mit seinem Mitarbeiter und zieht häufig einen Fachexperten hinzu. Zudem werden die Ideen und ihre Umsetzung in Workshops diskutiert.