In den Hallen des Ford-Werks in Köln gehen die Uhren anders als in den meisten heimischen Autofabriken - schneller. In drei Schichten montieren die Arbeiter dort 1950 Fiesta am Tag, mehr Fahrzeuge als in jedem anderen deutschen Werk. Wo all diese Autos hingehen? Zumeist in den Export. 87 Prozent der Kleinwagen aus Köln-Niehl werden außerhalb Deutschlands verkauft. Im vergangenen Jahr blieben immerhin noch 15 Prozent im Lande. In dieser Hinsicht sieht es in vielen deutschen Autowerken nicht anders aus. Von den 5,6 Millionen Autos, die 2007 hierzulande produziert werden sollen, gehen voraussichtlich 4,2 Millionen in den Export. Beides sind Rekordwerte. Doch die Medaille hat eine Kehrseite: Am deutschen Autohandel geht der Boom vorbei, und das schon seit Jahren. ZDK-Präsident Robert Rademacher appelliert nun an die Branche, endlich realistisch zu sein: Die 3,5 bis 3,6 Millionen Neuzulassungen, von denen manche Vertriebsmanager träumen, wird es nicht mehr geben. Die 3,47 Millionen des vergangenen Jahres waren ein Ausreißer nach oben. 3,2 bis 3,3 Millionen Neuzulassungen, mithin der Wert dieses Jahres, das sei nicht die Krise, sondern der Normalfall - ein wahres, ein mutiges Wort. Bedeutet es doch für die Vertriebszentralen der Hersteller und Importeure, ihre Absatzerwartungen endlich auf ein vernünftiges Maß zu kürzen. Wer in der Hoffnung auf eine Rückkehr der 3,8 Millionen Neuzulassungen des Jahres 1999 in den Vertrieb investiert, dürfte sich verkalkulieren. Mit entsprechender Vorsicht sollte der Handel die Absatzerwartungen der einzelnen Marken sehen. Gutes Geld lässt sich ohnehin nur noch mit Firmenwagen verdienen. Der Privatkunde dagegen wird in manchem Autohaus langsam zum bestaunten Exoten. Marken mit geringem Firmenwagenanteil, also vor allem die Importeure, sollten sich besser darauf einstellen. Selbst Toyota, in den vergangenen Jahren stets erfolgsverwöhnt, musste dies erkennen und hat die Absatzerwartung für dieses Jahr gesenkt. Andere werden folgen, ohne dies an die große Glocke zu hängen. In den deutschen Konzernzentralen nimmt man die strukturelle Schwäche des gesättigten deutschen Automarkts relativ gelassen zur Kenntnis. Solange der Export boomt, ist die Welt für VW, Daimler, BMW und Co. in Ordnung. Und der Handel leidet und stirbt ohnehin leise. Dabei sollte sich nicht nur der Handel Sorgen machen: Langfristig werden die Autohersteller dort produzieren, wo die Kunden sind.