Wolfsburg. VW-Chef Martin Winterkorn will die Absatz- und Erlöskrise der Marke Volkswagen auf dem wichtigen US-Markt schnellstmöglich beenden. Wie Automobilwoche aus dem Konzern erfuhr, forciert der VW-Vorstand eine Reihe neuer Pkw-Projekte, die speziell auf die Anforderungen nordamerikanischer Kunden zugeschnitten werden. Interne Planungen zum Volumen der Modelloffensive legen nahe, dass der Bau eines weiteren VW-Werks im Dollar-Raum unverzichtbar ist.
So hat die VW-Spitze ein neu zu entwickelndes Fahrzeug namens "New Compact Sedan" (NCS) abgesegnet, für das interne Planungspapiere ein "Volumen von über 160.000 Fahrzeugen" pro Jahr prognostizieren. "Bezahlbar und sportlich" soll das Auto sein - und trotz Produktion in Nordamerika das Gütesiegel "German Engineered" rechtfertigen. Zu den Wettbewerbern zählt das VW-Dossier unter anderem den Honda Civic und den Chevrolet Cobalt. Überdies soll der NCS länger ausfallen als der im mexikanischen Puebla montierte VW Jetta (4,55 Meter), um dem Wunsch vieler US-Interessenten nach mehr Innenraum zu entsprechen. Auf der NCS-Plattform soll zudem der Nachfolger des VW Jetta für den Export nach Europa entstehen.
Grünes Licht hat VW auch dem Projekt "New Medium Sedan" (NMS) erteilt. Bei dem technisch abgespeckten und somit preisgünstigen Auto der Passat-Klasse kalkuliert VW mit einem Jahresvolumen von 120.000 Einheiten. Mit dem NMS will VW in den USA vor allem den Camry von Toyota und den Nissan Altima attackieren.
Noch nicht komplett fixiert sind die Eckdaten eines sogenannten B-SUV, an dem VW arbeitet. Für den mittelgroßen Geländewagen rechnen die Planer mit Preisen von 26.000 bis 35.000 US-Dollar. "Das Auto ist prinzipiell ein Tiguan mit verlängertem Radstand", so ein Insider. "Allerdings ist noch fraglich, ob die Nachfrage aus den USA das Vorhaben rechtfertigt." Um höhere Stückzahlen zu ermöglichen, lässt Winterkorn nun mit Hochdruck die Marktchancen des B-SUV in China prüfen.
Im Rahmen der "Strategie 2018" will Stefan Jacoby, US-Statthalter des VW-Konzerns, die Auslieferungen der Marke VW an Kunden in Nordamerika von 397.500 im Jahr 2006 in den nächsten zehn Jahren mindestens verdoppeln. "Wenn der Dollar gegenüber dem Euro auf niedrigem Niveau verharrt, macht dieser Plan wirtschaftlich nur mit einem zusätzlichen Werk im Dollar-Raum Sinn", so ein VW-Manager. "Zudem ist die Fertigung in Puebla schon jetzt nahezu ausgelastet." Als Favorit für eine mögliche neue VW-Fabrik gilt der Südosten der USA, da dort im Umfeld der Produktionsstätten von BMW und Daimler bereits tragfähige Zuliefererstrukturen existieren.