Boxberg. Wir können auch billig, sagen immer mehr Autohersteller: Das indische Unternehmen Tata plant, im Januar 2008 das günstigste Auto der Welt vorzustellen. Das One-Lakh-Car soll 100.000 Rupien kosten - rund 1825 Euro. Ab 2009 wollen Renault und Nissan zusammen mit dem Partner Mahindra & Mahindra in Indiens Auto-Metropole Chennai ein 3000-Dollar-Auto bauen. Auch Toyota und VW werkeln an Modellen für die Erstmotorisierung asiatischer Schwellenländer
Bosch prognostiziert, dass die Low Price Vehicles (unter 7000 Euro) 2010 einen Anteil von 13 Prozent am Weltautomobilmarkt erreichen. Das wären zehn Millionen Autos. Jedes vierte davon soll mit Bosch-Technik ausgestattet sein. Der Zulieferer will durch Entwicklung und Fertigung vor Ort am Billigauto-Boom mitverdienen: "Wir erwarten im Jahr 2010 eine Milliarde Euro Umsatz mit der Ausrüstung von Low Price Vehicles", sagt Bernd Bohr, Vorsitzender des Bereichs Kraftfahrzeugtechnik. Das entspräche bei 2,5 Millionen Fahrzeugen durchschnittlich 400 Euro pro Auto. Für das One-Lakh-Car von Tata liefert Bosch Generatoren, Bremsen sowie Motorsteuerungssysteme.
"Wer als Zulieferer an diesem starken Wachstum teilnehmen will, muss sich auf neue Anforderungen einstellen - technisch, aber auch preislich", betont Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender des Bereichsvorstands Benzinsysteme. Bei der Entwicklung von Komponenten im Low-Price-Segment geht Bosch drei Wege:
* Beim Top-down-Ansatz werden Standardprodukte vereinfacht, indem überflüssige Bauteile oder Funktionen eingespart werden.
* Beim Bottom-up-Ansatz wird der Funktions- und Systemumfang etwa von Motorradkomponenten so erweitert, bis er den automobilen Anforderungen genügt.
* Beim radikalsten Ansatz werden Bauteile für Billigautos komplett neu entwickelt.
Dazu zwei Beispiele: Mit der Value-Motronic hat Bosch eine günstige Steuergeräte-Plattform für Benzinmotoren konstruiert, deren Software sich besonders leicht an differierende Motorenkonzepte anpassen lässt. Und die neue Zündspule ZSK 2x2 value kann die Zündfolge selbst erkennen, was einen Phasensensor erübrigt. Zudem erzeugt ZSK 2x2 value aus einer Zündspule unterschiedliche Zündenergien. Eine wichtige Voraussetzung für Flex-Fuel-Motoren, die mit unterschiedlichen Kraftstoffen wie Benzin, Ethanol oder Erdgas betrieben werden können.