Gelsenkirchen. Die Werke des Autobauers Opel sind einer Studie zufolge zu klein und haben zu hohe Fixkosten. Nur ein Werk in Spanien erreiche Stückzahlen von 400.000, die ausreichend seien, argumentierte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Alle anderen Werke lägen bei 250.000 Fahrzeugen und weniger. Konkurrenten seien besser aufgestellt.
"Nach unserer Analyse bleibt damit GM-Europe zur Kostenanpassung nur der Weg, entweder in Westeuropa ein Werk zu schließen oder mehr Volumen in die westeuropäischen Werke zu bringen", erklärte Dudenhöffer am Donnerstag in Gelsenkirchen. Eine Möglichkeit sei, den immer stärker auf der Opel-Plattform aufgebauten und in Europa nachgefragten Chevrolet hier bauen zu lassen.
Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hatte am Vortag gewarnt, dass wegen Überkapazitäten erneut mehrere tausend Jobs sowie ein Werk in Europa auf der Kippe stünden. Bei der Produktion der nächsten Generation des Kompaktwagens Astra drohe eine Lücke von 230.000 Einheiten. "Das entspricht ungefähr der Kapazität eines Werkes wie Bochum oder Antwerpen", sagte Franz. Am kommenden Dienstag werde das Management mit europäischen Arbeitnehmervertretern über den Abbau von Überkapazitäten verhandeln. Seit 2005 hatte GM im lange defizitären Europageschäft 12.000 Stellen gestrichen, die meisten bei der Tochter Opel.
Der Opel-Vorstand nannte unterdessen nach Darstellung des Bochumer Betriebsratschefs Rainer Einenkel Möglichkeiten zur Kostensenkung, um Werksschließungen zu verhindern. Im Bochumer Werk, das die Modelle Astra und Zafira baut, könnten den Vorschlägen nach die Arbeitszeit erhöht, der Lohn gesenkt und weitere Arbeit an Fremdfirmen ausgelagert werden. Einenkel lehnt aber sowohl eine 38-Stunden-Woche als auch eine Anpassung des Tariflohns auf englische oder schwedische Verhältnisse in der Größenordnung von 72 bis 82 Prozent ab. "An Tarifverträgen wird nicht gerüttelt", sagte Einenkel am Donnerstag. Dudenhöffers Vorschlag, den Chevrolet nach Europa zu holen, hält er dagegen für eine gute Idee.