Genf. Seit Martin Smith für das Design von Ford in Europa verantwortlich ist, reiben sich die Konkurrenten die Augen. Plötzlich glänzt die Marke mit aufregenden Formen. Smith hatte zuvor den erfolgreichen Opel Astra geformt. GM-Manager gestehen ein, dass man ihn nicht hätte gehen lassen dürfen.
Herr Smith, Sie nennen die neue Formensprache von Ford "Kinetic Design". Was wollen Sie damit sagen?
"Kinetic Design" bedeutet "Energie in Bewegung". Wir wollen das anerkannt gute Fahrerlebnis durch das Design sichtbar machen. Ford-Fahrzeuge zeichnen sich bekanntermaßen durch ein hohes Maßan Fahrdynamik aus. Das nach außen zu dokumentieren, ist unser Ziel. Das Fahrvergnügen als Markenkern, ausgedrückt durch Exzellenz bei Fahrwerk, Schaltung, Lenkung, muss sichtbar sein. Die Autos sollen schon "auf den ersten Blick" dynamisch wirken.
Ford hat mit den aktuellen Modellen viele Vergleichstests gewonnen, aber zu wenig Emotionen geweckt. Ist es das, was Sie ändern wollen?
Genau. Bisher war die Marke Ford, von vielen Experten anerkannt, führend in den Bereichen Package und Fahrdynamik. Nun wollen wir auch im Design eine führende Position übernehmen. Wenn wir dann auch weiterhin Vergleichstests gewinnen, soll uns das recht sein. Der Iosis, den wir im vergangenen Jahr in Frankfurt auf der IAA gezeigt haben, verkörpert "Kinetic Design" und hat schon unsere Intention dokumentiert.
Was hat künftig bei Ford Priorität: Design, Engineering oder Produktion?
Wir bauen auf unseren Stärken in der Produktion und Entwicklung auf. Es geht also nicht um Prioritäten, sondern um den bestmöglichen Nutzen für unsere Kunden. Wir investieren unser Geld da, wo der Kunde es sieht und fühlt, zum Beispiel im Innenraum durch Materialien, die gut aussehen und sich gut anfühlen.
Ist das neue Ford-Design in Europa auch Vorbild für die USA, wo der Konzern derzeit in einer tiefen Krise steckt?
Die Kundenerwartungen sind in Amerika andere als in Europa. Wir denken, dass wir mit "Kinetic Design" die passende Antwort für Europa haben. In den USA kann sich Ford wegen der riesigen Stückzahlen im Volumensegment unterschiedliche, spezifische Designrichtungen erlauben. Es wird deshalb auch künftig bei Ford diese regionale Differenzierung geben. Auch wenn das eine oder andere Produkt aus Europa für die USA interessant sein könnte.
Die ersten Autos aus Ihrer Feder, S-Max und Galaxy, sind eher Familien- als Sportwagen. Was können diese Fahrzeuge für das Ford-Image leisten?
Jeder Kunde möchte ein dynamisches, sportliches Design, auch beim Galaxy. Beim Sportvan S-Max ist das Design noch expressiver. Die niedrige Silhouette ist für einen Van sehr ungewöhnlich, während beim Galaxy die grossen Glasflächen dominieren. Beide Autos sollen die inneren Qualitäten sichtbar machen. Dabei sind die beiden Modelle keinesfalls gleich, sondern gänzlich unterschiedlich positioniert. Der Galaxy ist eine Großraumlimousine für unsere bisherigen, traditionellen Galaxy-Kunden, die ein großes, geräumiges und bequemes Auto wollen. Das decken wir mit dem neuen Modell mit seinem "Erste-Klasse-Komfort" hervorragend ab. Der etwas kleinere Sportvan Ford S-Max setzt dagegen auf eine jüngere Kundschaft, auf Emotionen und diejenigen, die besonderen Wert auf ihr Freizeitvergnügen legen.
Sind flache Fronthauben wie bei der Studie Iosis nach den neuen Bestimmungen zum Fußgängerschutz überhaupt noch möglich?
Sicher. Auch S-Max und Galaxy entsprechen den neuesten Bestimmungen. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Technik und Design.
Der S-Max hat optional seitliche Kiemen hinter den vorderen Kotflügeln. Haben die eine Funktion?
Ja, gut auszusehen. Aber im Ernst: Ich habe gelernt, dass nicht alles im Design auch eine technische Funktion haben muss. Ich bin mir sicher, das wird ein beliebtes Merkmal.
Eine Ihrer nächsten Aufgaben wird der Nachfolger des Ford Ka. Was können wir da erwarten?
Der Ka-Nachfolger wird vor allem jugendlicher und sportlicher werden. Da haben wir die einmalige Chance, eine automobile Ikone weiterzuentwickeln. Ein Mini-Konkurrent? Warten Sie es ab.
Das Interview führte Guido Reinking.