Tokio. Die Chefs des japanischen Autokonzerns Toyota und des angeschlagenen US-Konkurrenten Ford haben sich in Tokio zu Gesprächen getroffen. Ein Sprecher von Toyota in Tokio bestätigte am Mittwoch das Treffen zwischen Fujio Cho (Toyota) und Alan Mulally (Ford), das in der vergangenen Woche stattgefunden habe. Zum Inhalt der Unterredung machte der Sprecher keine Angaben. Ein Ford-Sprecher in Dearborn bestätigte ebenfalls, dass es Gespräche mit anderen Autobauern gebe, wollte aber weder zum Inhalt noch zu den beteiligten Unternehmen nähere Angaben machen.
Japanische Medien vermuten, dass die Konzernchefs von Ford und Toyota vor allem über eine mögliche verstärkte Zusammenarbeit bei umweltfreundlichen Technologien gesprochen haben. Der rasant wachsende Toyota-Konzern ist demnach besorgt über die Ertragskluft zwischen dem eigenen Unternehmen und seinen amerikanischen Rivalen und fürchtet, dass dies zu Handelsspannungen zwischen beiden Ländern führen könnte. Ein Übernahmeangebot der Japaner für den Ford-Konzern sei dagegen wenig wahrscheinlich, schrieb das "Wall Street Journal Europe" (Mittwoch) unter Berufung auf Branchenbeobachter.
Die Begegnung in der vergangenen Woche sei auf Initiative von Ford zu Stande gekommen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" (Mittwoch). Im Januar könne Ford-Chef Mulally zu einem Gegenbesuch nach Japan kommen, um sich mit Toyota-Managern zu treffe, hieß es. Dem "Wall Street Journal Europe" zufolge hatte es bereits Mitte Oktober erste Kontakte zwischen beiden Konzernen gegeben.
Das Treffen zwischen dem Toyota-Chef und Mulally erfolgt zu einer Zeit, da die Toyota-Gruppe sich anschickt, den US-Konzern General Motors (GM) möglicherweise bereits 2007 als größten Autobauer der Welt nach Absatz wie nach Produktion abzulösen. Vergangene Woche hatte Toyota für das kommende Jahr ein Absatzziel von 9,34 Millionen Autos ausgegeben, sechs Prozent mehr als im laufenden Jahr erwartet werden. Analysten sind der Meinung, dass es GM wegen der andauernden Umstrukturierungen im Konzern schwer fallen dürfte, seinen Absatz 2006 und 2007 deutlich zu steigern. 2005 hatte das Unternehmen 9,17 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. GM hält die Position als größter Automobilbauer der Welt seit 1931. GM hatte in diesem Jahr Gespräche über eine mögliche Kooperation mit Renault und Nissan ergebnislos beendet.
Auch Ford setzt seine Umstrukturierung unter der neuen Führung von Mulally fort. Dazu zählen die Schließung von 16 Werken und ein Abbau an Arbeitsplätzen. Zwischen Juli und September hatte Ford einen Verlust von 5,25 Milliarden Dollar verbucht. (dpa/at)