Stuttgart/Wolfsburg. Der neue VW-Grossaktionär Porsche steht unmittelbar vor der Vergabe des Produktionsauftrags für sein 2009 anlaufendes Sportcoupé Panamera an das Stammwerk von VW Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover. "Ende April, spätestens Anfang Mai wird der Vorstand entscheiden, wer den Rohbau und die Lackierung unserer vierten Baureihe übernimmt", bestätigte ein hochrangiger Porsche-Manager der Automobilwoche. "Die VWN-Fabrik in Hannover-Stöcken hat weitaus die besten Chancen."
VW: Neuer Porsche aus Hannover
Damit setzt sich Stöcken gegen externe Konkurrenten wie Auftragsfertiger Magna Steyr sowie interne Mitbewerber wie das VW-Hauptwerk Wolfsburg durch. Ausschlaggebend ist die auch für grosse Seitenteile von fünf Meter Länge geeignete Saugerpresse in Hannover sowie die jüngst erweiterte Lackiererei. "Durch das frühere Van-Projekt Microbus von VW etwa sind wir bereits auf eine grosse Vielfalt von Metallictönen eingerichtet, wie Porsche sie benötigt", berichtet ein Ingenieur aus der so genannten Pilot-Orga bei VWN. Dieses "Werk im Werk" simuliert zentrale Herstellungsprozesse vor dem Serienanlauf und soll die Fertigungsplanung des Panamera (Typ-Code G 1) übernehmen. Die Endmontage des viertürigen Viersitzers will Porsche -- wie beim SUV Cayenne -- an das eigene Werk in Leipzig übertragen.
VWN-Chef Bernd Wiedemann würde der Zuschlag von Porsche helfen, die Beschäftigung in Hannover zu sichern. Angesichts der Restrukturierung der VW-Werke, die Konzernchef Bernd Pischetsrieder und Markenvorstand Wolfgang Bernhard planen, stehen in Stöcken etwa die Wärmetauscher-Fertigung und die Giesserei auf dem Prüfstand. "Mindestens 500, vielleicht gar 700 Arbeitsplätze", sagt eine VW-Führungskraft, "könnten wir nach Umbesetzungen auf viele Jahre garantieren."
Unter Zulieferern ist der Kampf um Aufträge für den prestigeträchtigen Panamera inzwischen voll entbrannt. So hoffen Continental Automotive Systems wie auch die Freudenberg-Tochter Vibracoustic, die aufwändige Luftfederung beisteuern zu dürfen. Mit dem strategisch bedeutsamen Projekt Panamera wird sich auch der VW-Aufsichtsrat beschäftigen, der am 19. und 20. April zusammenkommt.