Welches sind ihre Zukunftsvision im Autogeschäft?
Natürlich ist es für Ford wichtig, eine vollständige Modellpalette zu haben. Ein weiteres Thema heißt "sparsamer Verbrauch". Und natürlich stehen NOx und Ozon auf der Tagesordnung. Alle diese Themen werden künftig noch wichtiger werden. Als die Treibstoffpreise auf hohem Niveau stagnierten war klar, dass die Autofahrer sich von den großen Modellen ab - und sparsameren Fahrzeugen zuwenden würden. Dazu zählen durchaus auch größere SUV oder Vans, wenn sie relativ sparsam sind. Da die Wachstumsraten in China unverändert hoch sind und damit auch die Nachfrage nach Erdöl, wird sich an diesem Verbraucherverhalten auch nichts ändern.
Das Interview führte Keith Crain.
Haben Sie bereits damit begonnen, auf die künftige Modellpalette Einfluss zu
nehmen?
Auf jeden Fall. Zwar sagen viele, der ist ja kein Automann und daher kann er dazu keinen Beitrag leisten. Aber ich bin ein Produktmann und ich bin ein Designer. Ich habe versucht, jeden Tag ein anderes Auto zu fahren. Ich bin schließlich angetreten, um die besten Fahrzeuge der Welt zu kreieren. Der absolut wichtigste Bereich, wo ich einen Beitrag leisten und helfen kann, sind die Investitionsentscheidungen. Und dies nicht nur auf der Kapitalseite, sondern auch im Bereich Engineering und Produktentwicklung. Daher habe ich mir zunächst über jede Ford-Marke eine Übersicht verschafft, die US-Marken genauso wie unsere internationalen Marken. Ich habe mich mit Ford in Europa und Asien-Pazifik beschäftigt und mir die Fahrzeuge für Afrika und unsere Werke in China angeschaut. Wir sind eben ein sehr komplexen Unternehmen und verfügen inzwischen über eine ganze Kollektion regionaler Marken. In unseren Mitarbeitern, den Fahrzeugen, den Antriebssträngen und Motoren unserer globalen Marken stecken viele Möglichkeiten. Diese zu nutzen ist eine der wichtigsten Aufgaben auf unserem weiteren Weg.
Kann Ford global mit Toyota konkurrieren, wie Boeing mit Airbus?
Auf jeden Fall. Der Weg führt aber nur über die Produkte. Wir werden künftig mehr globale Plattformen haben, die jedoch auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden angepasst sind. Aber wir können hier künftig noch viel mehr tun und weitere Fortschritte machen. Toyota konzentriert sich auf globale Plattformen und passt diese den regionalen Bedürfnissen an. Wahrscheinlich wird Toyota diese Individualisierung für die verschiedenen Regionen auf Basis gleicher Plattformen künftig noch verstärken. Und auch Ford wird künftig wesentlich mehr gemeinsame Fahrgestelle und Antriebsstränge haben.
Bei Boeing gab es niemanden, den Sie als Benchmark nehmen konnten?
Die Benchmark war Toyota. Das ist ohne jeden Zweifel die beste Produktionsfirma der Welt. Daher habe ich das Toyota Produktionssystem bei Boeing über 37 Jahre lang studiert. Ich bin allein 47-mal in Japan gewesen.
Haben Sie genug Geld, um alle Ford-Marken sowohl aus Sicht des Engineering als auch der Kapitalinvestition zu unterstützen?
Wir müssen im Moment damit umgehen, dass wir weniger Fahrzeuge verkaufen und sich zudem der Modell-Mix ändert. Daher ist es der erste Schritt unseres
Plans, sich zu restrukturieren und auch angesichts geringerer Verkaufsvolumen und eines veränderten Modell-Mix profitabel zu arbeiten. Der zweite Schritt besteht darin, unsere Produktentwicklung in Richtung sparsamere Fahrzeuge zu beschleunigen und diese dann effizienter produzieren. Der dritte Schritt ist dann dafür zu sorgen, dass wir einen Finanzplan haben.
Sie wollen auch mit weniger Zulieferern auskommen. Wie schätzen Sie den Status der Beziehungen von Ford zu den Zulieferern aktuell ein und wo würden Sie gerne sofort Veränderungen einleiten?
Es ist eine große Aufgabe, für eine Atmosphäre besserer Zusammenarbeit zu
sorgen.
Sind Sie über den Stand der Beziehungen zwischen Ford und seinen Zulieferern enttäuscht?
Ich sehe das vor allem als große Chance. Da 70 Prozent des Wertes unserer Fahrzeuge von unseren Zulieferern kommen, gibt es für uns alle nur einen Weg, um gemeinsam Erfolg zu haben. Es gibt nur einen Weg, Qualität einzubauen, die Produzierbarkeit, die Zuverlässigkeit. Wir müssen das zusammen schaffen.
Werden Sie Jaguar verkaufen?
Es gibt aktuell keine Entscheidung, Jaguar zu verkaufen. Aber jedes erfolgreiche Unternehmen schaut sich sein Portfolio ständig an.
Auch ohne Aston Martin, das Sie ja verkaufen wollen: Gibt es nicht immer noch zu viele Marken bei Ford?
Ich bin gerade dabei, mir ein Bild zu machen.
Sie haben sich noch nicht festgelegt, ob es zu viele Marken sind?
Nein.
Ist das blaue Ford Oval jene Marke, die vor allem Hilfe benötigt?
Jeder Teil unseres Geschäfts hat die Chance auf Fortschritte. Aber natürlich genießt das blaue Oval und speziell unser Geschäft in Nordamerika höchste Priorität. Dies ist sicher der wichtigste Teil unserer Aufgabe.