Die Kollegen von der Tageszeitung "taz" stehen nicht gerade in dem Ruf, besonders industriefreundlich zu sein. Dennoch dürfte das Buch von Bernhard Pötter, Umwelt- und Wirtschaftsredakteur der "taz", manchem Automanager aus der Seele geschrieben sein: "König Kunde ruiniert sein Land" (Oekom Verlag, München) macht Schluss mit der Mär, die Industrie zwinge den Verbrauchern Produkte auf, die diese gar nicht wollten, unter anderem Sprit fressende, umweltschädigende Autos. Nein, der Kunde ist es, so Pötter, der regelmässig zum ökologisch bedenklichen Produkt greift. Eine Erfahrung, die Volkswagen mit dem Drei-Liter-Lupo machen musste. Von der Ökofraktion gefeiert, stand die automobile Magerkost wie Blei beim Händler. Der Lupo GTI verkaufte sich doppelt so gut. Er verbraucht fast das Dreifache.
Klartext - König Kunde hat nicht immer Recht
Eine ähnliche Erfahrung macht derzeit Toyota mit dem Hybrid-Auto Prius. In der Öffentlichkeit euphorisch gefeiert, von Motorjournalisten zum "Auto des Jahres" gekürt, verkauft er sich in Deutschland nur in homöopathischen Dosen. Selbst die "Auto-des-Jahres"-Kollegen parken in ihrer eigenen Garage lieber Porsche als Prius.
Das Spiel hat leider auch noch eine ökonomische Variante: Wenn VW, Opel oder DaimlerChrysler aus Kosten- oder Kapazitätsgründen Arbeitsplätze abbauen, dann ist die öffentliche Entrüstung gross. Deren Manager werden als verantwortungs- und vaterlandslose Gesellen beschimpft.
Dann setzen sich die Entrüsteten in ihren Hyundai, fahren zu Saturn und lassen den Geiz so richtig geil sein -- mit Produkten aus Fernost. General Motors-Manager Bob Lutz hat Recht, wenn er sagt: "Es sind die Märkte, die uns die Werke schliessen." Er könnte auch sagen: es sind die Kunden. Sie entscheiden letztlich darüber, ob das Opel-Werk in Bochum noch eine Zukunft hat. Doch die Kunden sind immer weniger bereit, ein Preis-Premium für Produkte aus Deutschland zu zahlen.
Für die Manager der betreffenden Unternehmen darf dies jedoch keine Entschuldigung für Fehlleistungen sein. Denn der Kunde hat Recht, wenn er sich weigert, einen höheren Preis für den VW Golf zu zahlen, nur weil in Wolfsburg mit atemberaubender Ineffizienz gearbeitet wird. Oder wenn er kein teures Mercedes-Modell kauft, wenn die Qualität des deutlich preiswerteren Lexus um ein Vielfaches besser ist. So weit müssen die Autohersteller König Kunde schon entgegenkommen. Dann ist vielleicht auch er bereit, umzudenken.