Peking. Die deutschen Autobauer sind optimistisch über ihre Chancen auf dem chinesischen Wachstumsmarkt. Marktführer Volkswagen hat die Kurve gekriegt und macht wieder Gewinne bei stark steigendem Absatz. Satte Zuwächse von 50 oder mehr Prozent meldeten Audi, BMW und Mercedes in der Oberklasse. Zum Auftakt der internationalen Autoausstellung am Samstag in Peking präsentierten die Autokonzerne der Welt und die aufstrebenden chinesischen Hersteller ihre neuen Modelle für den heiß umkämpften Markt in China, der spätestens nächstes Jahr zum zweitgrößten der Welt nach den USA aufsteigen wird.
Durch eine Umstrukturierung und neue Modelle konnte Volkswagen seinen Absatz seit Jahresanfang um 28 Prozent steigern. "Volkswagen wird in China wieder stark sein", sagte Markenchef Wolfgang Bernhard. "Wir waren in der Lage, den Abwärtstrend zu stoppen, und haben sogar eine Kehrtwende gemacht." Nirgendwo änderten sich die Bedingungen so schnell wie in China. "Wir haben aus unseren Fehlern gelernt", sagte Bernhard bei der Präsentation des chinesischen Passat-Modells Magotan und dem ersten in China entwickelten Konzeptauto Neeza. VW hatte Jahre lang den gesamten Automarkt in China dominiert, war dann aber eingebrochen, als die Konkurrenz drastisch zunahm.
Das Verkaufsziel von 600 000 Autos für das ganze Jahr wurde schon vergangene Woche erreicht, berichtete VW-China-Chef Winfried Vahland. Nach Verlusten im Vorjahr rechnet Vahland jetzt wieder mit einem operativen Gewinn von 75 Millionen Euro. Der Marktanteil habe sich bei 17 Prozent stabilisiert. Nach Deutschland sei China der zweitwichtigste Markt für Volkswagen. VW-Tochter Skoda stellte sich auf der Messe erstmals in China als Marke vor und präsentierte den Octavia, der künftig bei Volkswagen in Schanghai gebaut wird.
Gute Ergebnisse in dem am dynamischsten wachsenden Automarkt der Welt meldete die VW-Tochter Audi, deren Absatz in China in den ersten zehn Monaten um 60 Prozent auf 65 950 Audis zulegte. BMW berichtete einen Zuwachs von 53 Prozent auf 28 000 verkaufte Autos. Die Münchner sind zuversichtlich, dass der positive Trend anhalten wird. Erfreut zeigte sich auch DaimlerChrysler, dass der Absatz von Mercedes-Benz bis Oktober um 49 Prozent auf 15 000 Fahrzeuge stieg. Konzernchef Dieter Zetsche erwartet, dass sich der Markt für Premium-Automobile in China in drei Jahren verdreifachen wird.
Stärker als die deutsche Konkurrenz wächst Toyota in China, wobei die Japaner allerdings erst viel später auf den Markt kamen als Branchenführer VW. Der zweitgrößte Autohersteller der Welt aus Japan geht in diesem Jahr von einem Absatz von 300 000 Autos aus, was einem Zuwachs von mehr als 60 Prozent entsprechen würde. Vizepräsident Yoshini Inaba kündigte an, nächstes Jahr 400 000 Autos oder 33 Prozent mehr verkaufen zu wollen. Die Absatzvorhersage ist deutlich höher als die der Konkurrenten Volkswagen oder General Motors, die
ähnlich wie der Markt oder etwas schneller wachsen wollen.
Nach Vorhersagen soll der chinesische Markt im nächsten Jahr zwischen 10 und 15 Prozent zulegen. In diesem Jahr sind bislang 27 Prozent Zuwachs verzeichnet worden, was sich wegen höherer Steuern und Benzinpreise bis Jahresende noch leicht abschwächen dürfte. Um in China für treibstoffsparende und umweltschonende Dieselmotoren zu werben, lud die deutsche Automobilindustrie 100 hochrangige Politiker und Medienvertreter für Montag zu einer Probefahrt auf einer Rennstrecke mit Modellen von Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen ein.
Sauberer Diesel habe für China ein erhebliches Absatzpotenzial und ökologisch große Vorteile, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Chinas Einsparziele beim Energieverbrauch seien nur mit Diesel zu schaffen. Experten wiesen aber darauf hin, dass es China noch an dem dafür nötigen Dieselkraftstoff mit niedrigem Schwefelgehalt fehle. Toyota setzt auf Hybrid-Fahrzeuge mit Benzinmotor und Elektroantrieb und bietet den Prius für 37 000 US-Dollar in China an. Selbst der
chinesische Hersteller Chery stellte erstmals ein Hybrid-Auto vor. (dpa/feb)