Bietigheim-Bissingen. Was die Porsche Consulting GmbH anderen Unternehmensberatungen voraushat? Eberhard Weiblen antwortet diplomatisch, indem er aus der Firmenbroschüre zitiert: "Man muss keine Sportwagen bauen, um schnelle Lösungen zu finden", heisst es da über dem Foto eines 911 Carrera im Renn-Trimm. "Aber es hilft", fügt der Geschäftsführer mit verschmitztem Siegerlächeln an.
Die schnellen Berater aus Schwaben
Im hart umkämpften Beratermarkt hat die Tochtergesellschaft des Porsche-Konzerns seit Jahren beachtliche Zuwachsraten zu verzeichnen. Gerade mal neun Mitarbeiter standen im Gründungsjahr 1994 auf der Gehaltsliste -- inzwischen sind es 120, davon 103 Consultants im Aussendienst. Der Umsatz stieg von bescheidenen 1,7 Millionen Euro auf 23,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2004/2005. Und für die laufende Abrechnungsperiode (bis 31. Juli) geht Weiblen fest von einem "prozentual ordentlich zweistelligen Wachstum" aus.
Die Grundidee des Geschäftsmodells von Porsche Consulting verdichtet Weiblen auf die schlichte Formel "Verschwendung eliminieren und durch Wertschöpfung ersetzen". Intellektuell sei dies "vermutlich längst nicht so fordernd wie etwa die Raketenwissenschaften". Schwierig am Job als Porsche-Berater sei vielmehr, weiss Weiblen, "sich richtig auf die verschiedenen Menschentypen einzustellen, die für eine effiziente Produktion von Waren und Dienstleistungen erforderlich sind".
So waren die Werker des Wittener Spezialmöbel-Herstellers Völker AG zunächst wenig begeistert vom Engagement der schwäbischen Verschwendungs-Schnüffler: Schlankere Fertigungsstrukturen sowie die Reduzierung des Pufferlagers -- das klang für die Belegschaft nun mal verdächtig nach einem massiven Arbeitsplatzabbau.
Erst nachdem die Consultants den Mobiliarmonteuren direkt im Porsche-Werk gezeigt hatten, wie flüssig an einem modernen Rundtaktband mit durchdacht bestückten Materialwagen produziert werden kann, erhörte man bei Völker die Signale -- und krempelte die eigene Fabrik nach bewährten Porsche-Mustern um. Die Produktivitätssteigerung im ersten Jahr beziffert Weiblen auf rund 30 Prozent. Und statt der befürchteten Stellenstreichung kam es bei den Krankenhausbettmachern inzwischen zu 60 Neueinstellungen.
"Grosses Wachstumspotenzial" sieht Weiblen auch für Porsche Consulting -- etwa in der Akquisition von Aufträgen aus bisher von Beratern kaum durchleuchteten Branchen wie der Bauindustrie. Mit einem Projekt im Medizinsektor hat man bereits Neuland betreten: An der Herz- und Gefässchirurgie der Uniklinik Freiburg haben Porsche-Consultants im Wege der "Prozess-Optimierung" geholfen, die durchschnittliche Verweildauer der Patienten von 11,4 auf 9,6 Tage zu reduzieren. Billig ist derlei "erste Hilfe" nicht: Das Honorar für die Porsche-Berater bewegt sich auf "branchenüblichem" Niveau; Tagessätze von 2000 Euro plus Nebenkosten gelten in der Szene als normal. "Dafür holen wir aber ein Vielfaches an Wertschöpfung heraus", betont Weiblen, der in der Modellfabrik am Firmensitz in Bietigheim-Bissingen bisweilen selbst Spielzeug-Lkw rangiert, um optimale Logistikketten zu demonstrieren.
Da das Geschäft brummt, will Weiblen im nächsten Jahr bis zu 15 neue Consultants unter Vertrag nehmen. "Machertypen" sollen es sein, "mit viel praktischer Erfahrung". Porsche-Sportwagen müssen sie nicht mögen. Aber es hilft.