Tokio. Ganze 16 Jahre nach dem Start in den USA ist Toyotas Luxusmarke Lexus auch auf dem japanischen Heimatmarkt angekommen. Seit Ende August verkaufen vorerst 143 ausgewählte Händler in speziellen Salons zunächst die Modelle GS (Aristo), SC (Soara) und etwas später IS (Altezza) -- mit satten Aufschlägen gegenüber den US-Preisen. Auf mittlere Sicht sollen den deutschen Nobelmarken, vor allem Mercedes und BMW, zahlungskräftige Käufer abgejagt werden.
Die deutsche Konkurrenz reagiert bislang wenig aufgeregt. "Mit dem Lexus kommen sie uns ein Stück näher, aber der Charme der Marke steigt nicht automatisch", sagt Hans Tempel, Chef von DaimlerChrysler Japan. Auch Walter Hanek, Präsident von Audi Japan, denkt, "dass der Image-Aufbau für den Lexus einige Zeit in Anspruch nehmen wird" und Toyota erst viel später "die anspruchsvollen Importmarken-Kunden bewirbt".
Nennenswerte Volumen erwartet Toyota offenbar selbst nicht. In diesem Jahr sollen noch 20.000 Lexus verkauft werden, 2006 dann 70.000. Etwa 60 Prozent der Käufer könnten aus dem Potenzial der Stammkunden gewonnen werden. Das heisst aber auch, vier von zehn künftigen Lexusfahrern sitzen heute in Autos der Konkurrenz. Im Ernstfall wären das fast 30.000 Importfahrzeuge weniger. "Das tut sicher weh", vermutet Martin Esser, deutscher Direktor von Porsche Japan. Auch DaimlerChryslers Japan-Präsident Tempel räumt ein, dass die E- und C-Klasse von Mercedes "in eine neue Wettbewerbssituation gerät".
"Auf die Deutschen kommen härtere Zeiten zu", vermutet Clive Wiggins vom Investment-Haus Lehman Brothers in Tokio, da Toyota ähnliche Qualität zu immer noch weit günstigeren Preisen bietet. "Lexus wird mit seinem Top-Service neue Massstäbe setzen und den Druck auf deutsche Importeure erhöhen", vermutet Esser.
"Der Markt könnte mit dem Lexus aber auch signifikant wachsen", hofft Mercedes-Manager Tempel. Die Stuttgarter verweisen auf die guten Erfahrungen mit Lexus in den USA. Seit der Markteinführung der Luxus-Konkurrenz 1989 hat sich der Stuttgarter Absatz dort auf 220.000 Autos fast vervierfacht. Aber lassen sich auch die Preise halten? Nach Angaben der Broker-Firma CLSA Asia-Pacific Markets kostet etwa ein BMW 545i in Nordamerika 56.000 Dollar, in Japan jedoch 84.000. Auch wenn die deutschen Importeure Ausstattungsunterschiede geltend machen, ist die Differenz so gewaltig, dass dramatische Veränderungen nicht ausbleiben werden.
Unabhängig vom Lexus -- wie Tempel betont -- wird derzeit das bisher aus drei Säulen bestehende Händlernetz der Stuttgarter (Mercedes-Benz, Stern, Yanase) in Japan unter dem Logo Mercedes-Benz harmonisiert. In den 224 Salons der Vertragspartner "soll in den kommenden zwölf bis 18 Monaten der Weltstandard unserer Marke Einzug halten", sagt Tempel. Auch BMW Japan rüstet auf. Die 186 Salons des Händlernetzes werden modernisiert. Die Volkswagen-Gruppe will ebenfalls zehn Verkaufsräume pro Jahr nach europäischem Standard aufwerten.
Zwar ist der Marktanteil ausländischer Hersteller in Japan in der Quantität (4,8 Prozent, 145.500 Fahrzeuge von Januar bis Juli) relativ gering -- in Deutschland liegt er bei einem Drittel --, aber er ist äusserst lukrativ.