Wolfsburg. Gleich am ersten Arbeitstag erwartet den Neuen ein volles Programm. Ab Dienstag dieser Woche ist Wolfgang Bernhard, 44, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Und ausgerechnet für diesen 1. Februar ist schon seit langem eine ausgiebige Sitzung des Konzernvorstands geplant. Zur Entscheidung steht unter anderem ein umfassendes Outsourcing-Projekt im Logistikwesen. Dazu dürfte der Novize noch nicht viel beitragen können, doch Konzernchef Bernd Pischetsrieder will, dass der frühere DaimlerChrysler-Manager sämtliche Facetten des weit verzweigten VW-Konzerns so schnell wie möglich kennen lernt.
Dort gibt es derzeit mehr Baustellen, als Pischetsrieder recht sein kann. Mit den wichtigsten Reparaturen will er den diplomierten Wirtschaftsingenieur und promovierten Volkswirt Bernhard betrauen. Dem Ex-Consultant von McKinsey und ehemaligen zweiten Mann bei Chrysler (wo er rund 20.000 Arbeitsplätze abbaute) eilt der Ruf eines knallharten Sanierers voraus. Im Mai 2004 sollte er noch Chef der Mercedes Car Group werden. Nachdem er Mercedes aber intern als Sanierungsfall bezeichnet hatte, musste er den DaimlerChrysler-Konzern verlassen. Seine Qualitäten als Kostenkiller und Troubleshooter wird Bernhard bei VW brauchen, wenn er zum Jahreswechsel die Verantwortung für die Markengruppe VW übernimmt. Branchenkenner sind sich einig: Er hat eine der derzeit kniffligsten Aufgaben der Autoindustrie vor sich.
Anders als etwa Wettbewerber Opel schreibt die Volkswagen AG zwar noch keine roten Zahlen. Für das Geschäftsjahr 2004 -- Details gibt VW Anfang März bekannt -- rechnet Konzernchef Pischetsrieder mit einem operativen Ergebnis von rund 1,9 Milliarden Euro (siehe Grafik rechts). Dennoch muss er sich Sorgen machen, vor allem über die Entwicklung seiner Kernmarke Volkswagen.
Ein drängendes Problem sind die Überkapazitäten. Insgesamt 5,079 Millionen Fahrzeuge hat der Konzern 2004 weltweit ausgeliefert. Bei voller Auslastung der Werke, schätzen Experten, könnte die Volkswagen AG mehr als sechs Millionen Einheiten produzieren.
Bedenklich: Der Pkw-Absatz der Marke Volkswagen war 2004 leicht rückläufig. Bernhard muss schnellstens mit attraktiven neuen Modellen für eine Trendwende sorgen. Die Stagnation bei wichtigen Produktionszahlen (siehe Grafik links) sollte ihm "stark zu denken geben", fordert ein VW-Betriebsrat, der nicht genannt werden will.