München. Seit 18 Jahren ist Ralf Kalmbach als Consultant vor allem für Pkw-Hersteller und Zulieferer weltweit im Einsatz. Automobilwoche sprach mit Kalmbach über neue Herausforderungen auf den "Emerging Markets" und die Perspektiven von Skoda in Fernost.
Herr Kalmbach, in der Markengruppe Volkswagen soll Skoda bei der Erschliessung sich entwickelnder Märkte helfen. Was haben die Tschechen da zu bieten?
Gerade auf vielen der so genannten Emerging Markets steht die Marke Skoda für attraktive Fahrzeuge mit hohem Nutzen zu niedrigen Preisen. Der schieren Grösse eines Autos kommt etwa in China und Indien noch mehr als hier zu Lande eine hohe Statusfunktion zu. Und als klassische Stufenhecklimousinen treffen die Skoda-Modelle Superb und Octavia den Geschmack asiatischer Autokäufer.
Die Skoda-Vergangenheit mit nachlässig verarbeiteten Kleinwagen aus sozialistischer Produktion stellt keine Gefahr mehr dar für das Prestige der Marke?
Nein. Da Skoda auf den genannten Märkten heute eine angesehene ausländische Marke ist, gelten die Produkte als begehrenswert. Und zwar selbst dann, wenn sie vor Ort aus CKD-Bausätzen montiert werden. Im Übrigen assoziieren auch in Westeuropa nur noch wenige Kunden Skoda mit Motiven aus der Zeit des Eisernen Vorhangs. Der Transfer von Know-how aus dem VW-Konzern hat nach der Technik auch dem Image gut getan.
Der Volkswagen-Führung bereitet das China-Geschäft derzeit grosse Sorgen. Was ist zu tun?
Im Reich der Mitte steht wahrlich nicht nur VW momentan vor Problemen. China als Markt hat jeder überschätzt, auch wir Berater. Ein wichtiger Grund ist, dass die chinesische Regierung inzwischen versucht, die überhitzte Konjunktur abzukühlen. Allein vom Jahr 2002 auf 2003 hatte der chinesische Automarkt um 73 Prozent zugelegt -- das war in nahezu jeder Hinsicht ungesund. Auch, weil potenzielles Wachstum daraufhin vielfach falsch antizipiert worden ist. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir nun mit rund 2,7 Millionen Neuzulassungen auf dem chinesischen Markt. Und die Verdopplung auf mehr als fünf Millionen Einheiten ist mittlerweile nicht mehr vor 2011 zu erwarten. Noch vor einem Jahr waren derlei Schätzungen weit optimistischer. Die arg reduzierten Absatzperspektiven zwingen Hersteller und Zulieferer nun, ihre Planungen zu überarbeiten -- auch den Volkswagen-Konzern und damit auch das Management von Skoda.
Chinesische Autohersteller exportieren ihre Produkte inzwischen auch. Erwächst den etablierten Fahrzeuganbietern hier ein mächtiger Wettbewerber?
Davon bin ich überzeugt. Spätestens 2010 werden chinesische Autohersteller auf den bedeutenden Automärkten weltweit nennenswert mitspielen. Es könnte aber auch viel schneller gehen. Stellen Sie sich nur vor, ein chinesisches Unternehmen würde Fiat übernehmen oder zumindest im Vertrieb eine strategische Partnerschaft mit den Italienern schliessen.
Das Interview führte Henning Krogh.