Wolfsburg. Die Volkswagen AG steht vor einer einschneidenden Reform ihrer Produktionsstrukturen, die einen Abbau von bis zu 30.000 Stellen vor allem in Deutschland auslösen könnte. Nach der Reduzierung des "Personalüberhangs" in der Fahrzeugmontage will Konzernchef Bernd Pischetsrieder insbesondere die VW- Komponentenwerke auf den Prüfstand stellen. "Im Vergleich zu wichtigen Wettbewerbern ist die Fertigungstiefe bei VW viel zu hoch", räumt ein Insider ein. Den weltweit immer schärferen Konkurrenzkampf könne VW nur mit einem "stark revidierten Wertschöpfungskonzept" bestehen.
VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard lasse Komponentenwerke wie Kassel, Braunschweig und Hannover auf Sparpotenziale analysieren. Sollten für die betroffenen Standorte "keine signifikanten und nachhaltigen Kostensenkungen" zu realisieren sein, etwa aufgrund des Widerstands der Belegschaft gegen neue Arbeitzeitmodelle, wären nach Einschätzung des Managements "mittelfristig insgesamt zwischen 25.000 und 30.000 Arbeitsplätze in Gefahr". Der Tarifvertrag jedoch schliesst betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 aus. VW wollte die Zahlen nicht kommentieren.
Wie aus Kreisen der VW-Führung verlautet, sei nicht auszuschliessen, dass etwa die Fertigung von Abgasanlagen und Getrieben im Werk Kassel erheblich reduziert wird, um durch Zukäufe von spezialisierten Lieferanten bessere Einkaufspreise zu erzielen.
Handlungsoptionen für von Outsourcing bedrohte Werke skizziert eine interne Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, die Automobilwoche vorliegt. Im Kapitel "Steigender Druck auf bestehende Standorte" warnen die Consultants vor dem "enormen finanziellen Aufwand" durch Sozialplan- und Anlaufkosten, sofern "für den alten Standort kein Ersatzgeschäft" zur Verfügung stehe. "Wenn das Management die Hausaufgaben unter ehrlicher Einbeziehung der Paybackzeiten richtig erledigt", so Berger-Partner Marcus Berret, "sind Verlagerungen oftmals zu vermeiden." Auswege böten flexiblere und längere Arbeitszeiten von möglichst 40 Stunden sowie die strikte Kürzung von Überstundenzuschlägen.