München. Wer etwa Super E10 vermeidet und stattdessen zu Super 95 greift, tankt ebenfalls bis zu fünf Volumenprozent Ethanol (E5). Ähnliches gilt für Diesel, wo bis zu sieben Prozent (B7) Biodiesel beigemischt sind, der meist aus Rapsöl hergestellt wird. In absoluten Zahlen entfielen 2011 auf fast 53 Millionen verkaufte Tonnen Kraftstoff gut 1,2 Millionen Tonnen Bioethanol und gut 2,4 Millionen Tonnen Biodiesel. Das ergibt einen energetischen Anteil von 5,5 Prozent, weil die Energiedichte niedriger ist als bei mineralölbasierten Spritsorten. Entscheidende Triebfeder des Absatzes bleibt das Biokraftstoff- Quotengesetz. Es sieht für 2020 einen Zielwert von sieben Prozent (energetisch) vor, sonst drohen Strafzahlungen von bis zu 90 Cent pro Liter. Die sogenannte zweite Generation der Biokraftstoffe spielt im Alltag keine Rolle. Hier, etwa bei BtL (Biomass to Liquid), ist man weiterhin im Forschungsstadium: „Das Ziel ist, Biokraftstoffe zu synthetisieren, die überall beigemischt werden können und ökonomisch erfolgreich sind“, so Schütte. Besser sind die Perspektiven von Biomethan beziehungsweise Bioerdgas. Zwar dümpeln die Zulassungszahlen von Erdgasautos vor sich hin. Die Aktivität des VW-Konzerns auf diesem Sektor könnte das aber ändern. Ein Vorteil von Methan ist, dass es sich überall ins bundesweite Erdgasnetz einspeisen lässt und Tanklasttransporte so entfallen. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Gibgas stellen 312 der 914 deutschen Erdgastankstellen einen Bioanteil von fünf bis 100 Prozent bereit. Gibgas und auch VW legen Wert darauf, dass bei der Produktion landwirtschaftliche Rest- und Abfallstoffe wie Gülle, Stroh oder Grasabfälle verwendet werden, obwohl jegliche Biomasse wie etwa Mais verwendbar ist. Die Deutsche Energie-Agentur vermeldet denn auch für 2012 einen von sechs auf über 15 Prozent gestiegenen Biomethananteil bei Erdgastankstellen, wobei bis zu 97 Prozent weniger CO2 im Vergleich zu Benzin sowie bis zu 95 Prozent weniger Stickoxide im Vergleich zu Diesel emittiert werden.
Die Quote bleibt Treiber
Biokraftstoffe stehen in der Kritik, das zeigt die hitzige Diskussion über den Wettbewerb zwischen Tank und Teller und über mögliche Schäden durch Super E10. "Biokraftstoffe werden unterschätzt“, hält Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), dem entgegen und ergänzt: "Viele Autonutzer nehmen nicht wahr, dass sie täglich damit fahren.“