Schlüsselfeld. In den 90er-Jahren hatte man zunächst auf stufenlose Getriebe gesetzt und dafür sogar ein Gemeinschaftsunternehmen mit Ford gegründet. Als absehbar wurde, dass diese Technik in vielen Märkten nicht akzeptiert werden würde, begann man mit der Entwicklung eines Sechsgangautomaten – der nie den Weg zum Kunden fand. Mit dem Neunganggetriebe 9HP bietet ZF nun erstmals ein Frontquer-Automatikgetriebe an, das hinsichtlich Bauraumbedarf, Schaltzeiten und Wirkungsgrad an Doppelkupplungsgetriebe heranreicht. Im Vergleich zu Sechsgang- Stufenautomaten soll die Neuentwicklung sogar eine Kraftstoffersparnis von elf Prozent im Europäischen Fahrzyklus ermöglichen. Hier zahlt sich die sehr hohe Spreizung (9,8) aus. Den Platzbedarf haben die Ingenieure durch zwei konstruktive Besonderheiten minimiert. Zum einen sind die Radsätze verschachtelt, aber auf einer Welle angebracht, sodass die Getriebebreite sinkt. Zum anderen schaltet ZF erstmals bei einem synchronisierten Pkw-Automatikgetriebe zwei Radsätze mit Klauenschaltungen anstelle von Lamellenkupplungen. Die Synchronisation erfolgt durch eine kurzzeitige Anpassung der Motordrehzahl. Durchschnittlich ergeben sich Schaltzeiten von 450 Millisekunden. „Da hat ein Direktschaltgetriebe nur bei sehr sportlicher Fahrweise noch einen Vorteil“, erklärt Sommer. Den wesentlichen Vorteil gegenüber Doppelkupplungsgetrieben sieht man bei ZF in den Kosten. Ein Grund, warum Sommer an den Erfolg eines neuen Werks in China glaubt. „Das wäre bei einer ähnlichen Größe sehr schnell ausgelastet.“ Es sind eher interne Gründe, warum Sommer noch zögert. „Sie brauchen auch die Leute dazu“, sagt er mit Verweis auf das Wachstum des Unternehmens. 2013 werde ZF wieder deutlich stärker zulegen als der Markt. 2012 war der Umsatz um zwölf Prozent gestiegen. Für die Hinterachslenkung, die gerade bei Porsche in Serie gegangen ist, bestehen weitere Aufträge, sodass schon bald eine Jahresstückzahl von 300.000 Lenkungen erreicht werden soll.
ZF prüft China-Werk für Neunganggetriebe
ZF-Chef Stefan Sommer denkt über die Eröffnung einer weiteren Fabrik in China nach. Grund dafür ist die hohe Nachfrage nach dem neuen Automatikgetriebe 9HP. Die maximale Kapazität des US-Werks in Gray Court, South Carolina, sei bereits 2015 erreicht. Dann will der Zulieferer 400.000 Einheiten der neuen Getriebe verkaufen. Die ersten Kunden sind Land Rover für den Evoque und Chrysler für den neuen Cherokee. Das 9HP ist der dritte Anlauf der Friedrichshafener, im Massenmarkt der Frontantriebsautos mit quer eingebauten Motoren Fuß zu fassen. „Drei von vier Fahrzeugen weltweit setzen auf dieses Antriebsprinzip“, so Sommer.