Arjeplog/Schweden. Durchschnittlich steigt der Konsum durch das erhöhte Gewicht und durch den Reibungsverlust der zusätzlich bewegten Teile um rund zehn Prozent. Hier setzt Magna Powertrain mit seinem „Flex4“-Konzept an. Dabei kann der Vierradantrieb automatisch zu- und abgeschaltet werden. Und während des reinen Zweiradantriebs werden große Teile des Allradantriebsstrangs komplett von Motor und Rädern getrennt. Bei den bereits vorhandenen zu- und abschaltbaren Allradantrieben liegt die Krux darin, dass auch im Zweiradbetrieb der weitaus größte Teil der Komponenten des Allradantriebs weiter mitläuft, erläutert Johannes Quehenberger, der bei Magna Powertrain die Konzeptentwicklung leitet. Am Beispiel der primär angetriebenen Vorderachse ergibt sich diese Situation: Der Vorderachsabtrieb, also die Kraftverteilungseinheit („Power Transfer Unit“) auf der Vorderachse, die Allradkupplung und die Kardanwelle sind dann zwar nicht mehr mit dem Motor verbunden – aber sie werden von den Hinterrädern gewissermaßen mitgezogen.
Das System, das Magna Powertrain jüngst auf einer Winterteststrecke im schwedischen Arjeplog verschiedenen Automobilherstellern vorstellte, geht bei der Abtrennung der Allradkomponenten einen Schritt weiter. An der Vorderachse kommt als Verbindung zum Vorderachsantrieb eine Klauenkupplung zum Einsatz. Wird sie geöffnet, ist das Allradsystem von Motor und Getriebe getrennt. Um auch die Hinterräder von der Allradmechanik zu „befreien“, haben die Entwickler die Allradkupplung auf der Hinterachse etwas näher zu den Rädern verlegt und so umkonstruiert, dass sie die Räder komplett vom Antriebsstrang trennen kann. Damit steht die Allradmechanik während des reinen Zweiradbetriebs still. Neben dem Kraftstoffverbrauch reduziere das auch den Verschleiß, merkt Quehenberger an. Das Mehrgewicht von rund zwei Kilogramm gegenüber anderen Vierradlösungen entsteht durch die Klauenkupplung an der Vorderachse. Die Mehrkosten würden durch Einsparungen bei den CO2-Strafsteuern komplett kompensiert, betont Quehenberger. Die automatische Umschaltung stelle zudem sicher, dass der Vierradantrieb immer nur dann aktiv werde, wenn er benötigt wird – dann allerdings innerhalb von 0,3 bis 0,4 Sekunden. Für die Entscheidung über die Aktivierung werden ESP- sowie weitere bereits im Fahrzeug vorhandene Sensordaten ausgewertet. Testreihen hätten ergeben, dass im Sommer auf 95 Prozent und im Winter auf 80 bis 90 Prozent der Fahrstrecke der Zweiradantrieb allein völlig ausreichend ist.