München. Lange hatten Zulieferer und Automobilhersteller das Thema „autonomes Fahren" öffentlich nur sehr vorsichtig gespielt – aber bereits intensiv daran gearbeitet. Während der Consumer Electronics Show in Las Vegas gingen sie nun aber in die Offensive. Audi, Bosch und Continental kündigten an, erste Teilfunktionen des automatisierten Fahrens schon in den nächsten Jahren in die Serie zu bringen.
Am weitesten wagte sich Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart mit konkreten Terminen vor: Teilautomatisierte Systeme könnten 2016 in Serie gehen, „erste Anwendungen für das hoch- und schließlich vollautomatisierte Fahren selbst bei höheren Geschwindigkeiten und in komplexeren Fahrszenarien können wir bis 2020 beziehungsweise 2025 serienreif entwickeln."Bosch formuliert vorsichtiger: „Erste Ausbaustufen" eines Stauassistenten, der bis zu 50 km/h automatisch beschleunigt, bremst und lenkt, dürften 2014 in Serie gehen, sagte Gerhard Steiger, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Chassis Systems Control. Danach werde es schrittweise vorangehen – bis zum „Highway Pilot" für vollautomatisiertes Fahren.Audi hält „pilotiertes Fahren noch in diesem Jahrzehnt" für technisch machbar. Als konkretes Szenario nennt der Hersteller zähfließenden Verkehr bis 60km/h, in dem das Fahrzeug automatisch beschleunigt, bremst und „innerhalb gewisser Grenzen" lenkt. Die vollautomatische Fahrt in Parklücken oder Parkhäuser soll ebenfalls möglich werden.Schub für Autopiloten
Zulieferer und Hersteller gehen beim autonomen Fahren in die Offensive. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigen sie erste Prototypen. Schon in den nächsten Jahren könnten erste Systeme auf den Markt kommen.
Autofahrer scheinen aufgeschlossen
Anders als bei der Vernetzung der Fahrzeuge zu Infotainment-Zwecken dürften Automobilhersteller und klassische Zulieferer das Geschäft beim autonomen Fahren weitgehend unter sich ausmachen. Zwar versucht mit Google ein Branchenfremder die Autoindustrie vor sich herzutreiben. Schätzungen, dass in dem autonom fahrenden Toyota Prius von Google allein Sensorik für rund 80.000 Euro steckt, zeigen aber, dass hier vor allem Potenzial für etablierte Hardwarelieferanten liegt. Und schon für manche aktuellen Fahrerassistenzsysteme werden Daten von Dutzenden von Steuergeräten ausgewertet.
Zwar könnten sich durch die Kommunikation von Autos untereinander oder mit der Infrastruktur Räume für neue Anbieter auftun. Allerdings scheint zweifelhaft, ob sich Autohersteller beim sicherheitsrelevanten autonomen Fahren auf Firmen verlassen, die keine Automotive-Erfahrung haben. Stattdessen kaufen Zulieferer und Automobilhersteller oft Kompetenzen zu. So erwarb Continental jüngst mit ASL Vision einen englischen Spezialisten für Systeme zur 360-Grad-Umfelderfassung.Viele Fahrzeugnutzer scheinen für Autopiloten offen zu sein. So antworteten 49 Prozent von rund 1000 Autofahrern in einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom, sie würden Systemen zum autonomen Fahren vertrauen. Allerdings sprach sich nur jeder Dritte dafür aus, autonom fahrende Pkw in Deutschland zuzulassen.