München. Doch einfache Autos zu bauen ist einfacher gesagt als in der Praxis umgesetzt. VW steht gerade vor der Herausforderung: 2016 sollen die ersten Fahrzeuge des für China und Indien entwickelten Low- Cost-Ablegers vom Band rollen. „Solche Fahrzeugkonzepte müssen neu gedacht werden“, so Christian Kleinhans, geschäftsführender Partner der Strategieberatung Berylls. Gerade bei Low-Budget- Cars sei der grundlegende Kundennutzen des Fahrzeugs – die eigentliche Fortbewegung und Mobilität – in den Vordergrund zu stellen und nur sehr fokussiert Zusatzfunktionen zu realisieren. Im Kontext eines Low-Budget- Cars müsse daher der Begriff „Innovation“ neu interpretiert werden: Gemeint ist eben nicht das von Grund auf Neue, „Innovation zielt hier auf eine intelligente Plattformkontinuität“, so Kleinhans. Oberstes Ziel sei die Beibehaltung der Fahrzeug-, Antriebs- und Elektrik/Elektronik-Architekturen bis hin zu Komponenten, Modulen und ganzen Plattformen.
Die Ingenieure der Hersteller sind neu gefordert, weil sie nicht nur auf Bestehendem aufsetzen, sondern das Bestehende konsequent beibehalten müssen. Für die Lieferanten ist das weniger Neuland als für die Autobauer. „Wir könnten uns gar nicht leisten, zum Beispiel einen Stellmotor in der Klimaanlage markenspezifisch zu entwickeln“, bestätigt Alexander Ziems, Geschäftsführer von Valeo in Deutschland. Gerade große Zulieferer spielen hier ihre Vorteile aus, weil sie quasi standardisierte Lösungen vermarkten können. Eigens entwickelte Billigkomponenten sind dagegen eher die Ausnahme bei Valeo, „dafür fehlt es in der Regel schon an einer entsprechend zugeschnittenen Spezifikation“, gibt Ziems zu bedenken. An Fahrzeugkonzepte von Grund auf anders heranzugehen bedeutet für Kleinhans auch, die traditionellen Entwicklungsprozesse mit ihren Qualitätsanforderungen, Reporting-Prozessen und Gremienlandschaften zu entschlacken. Dass dies bei einem Tanker wie VW möglich ist, bezweifelt wohl gerade die eigene Führung: Das „Manager Magazin“ berichtete jüngst, die Wolfsburger versuchten derzeit, die Kooperation mit Suzuki wiederzubeleben. Interne Kostenkalkulationen hätten gezeigt, dass das geplante „Budget Car“ für Indien noch nicht preisgünstig genug ist. „ Einsparungen bei der Qualitätsabsicherung sind aber ein heißes Eisen, das die OEMs ungern anfassen“, sagt Ziems. VW-Patriarch Ferdinand Piëch traut dem kleinen japanischen Hersteller wohl einiges zu: Suzuki produziere „Spitzentechnik im unteren Fahrzeugsegment“, soll der VW-Aufsichtsratschef geäußert haben. Alle Konzernlenker treibt allerdings die Angst um, verkürzte Fahrzeugtests könnten Qualitätsprobleme nach sich ziehen, wie sie der Dauertest von „Auto-Bild“ über 100.000 Kilometer beim Dacia Duster offenlegte: Die Tester diagnostizierten eine „hohe Fehlerquote“ beim günstigen SUV der Renault-Tochter, dessen Facelift auf der IAA zu sehen sein wird.Billig kann schnell teuer werden
Westeuropas Automärkte kriechen seit Jahren im Schongang. Der Preiskampf tobt. Das ist das Umfeld, das Low-Budget- Marken nicht nur in Schwellenländern reüssieren lässt: Während Renault seit der Krise Volumen verlor, gewann Dacia in nahezu jedem Jahr dazu. Experten schreiben dieser Preiskategorie weltweit ein Wachstum von über fünf Prozent jährlich zu.