Genf. Die Schweizer Emil Frey AG, die immer mal wieder in diesem Zusammenhang als Vertriebspartner genannt wird, hält sich ebenfalls bedeckt. "Wir beobachten den chinesischen Markt und haben Kontakte, mehr gibt es derzeit nicht zu sagen“, heißt es in der Unternehmenszentrale in Zürich. Aktuell sprechen die Verantwortlichen viel lieber über das neue Auto. Der Viertürer ist 4,61 Meter lang (Radstand 2,69 Meter), rundum ansehnlich und wird von einem 1,6-Liter-Benziner angetrieben, den es als Sauger (126 PS) und als Turbo (156 PS) geben wird. Weitere Motoren, Doppelkupplungsgetriebe, Start-Stopp-Automatik, Allrad- und Hybridantrieb sollen das Portfolio schon bald ergänzen. Auch Karosserievarianten wie ein Kombi und ein SUV sind als Konzeptautos bereits fertig. Das verblüffend ausgereifte Debüt einer neuen Automarke quasi aus dem Nichts folgt einer präzisen Strategie. Qoros – der Kunstname soll an das englische Wort Chorus erinnern – ist tatsächlich eine Art riesige, konzertierte Industrieaktion. Das Unternehmen ist eine Partnerschaft des chinesischen Autobauers Chery Automobile und der Industrieholding Israel Corporation. Hauptsitz der Firma ist Changshu in China, darüber hinaus gibt es Standorte in Schanghai, München und Graz.
Neustart auf dem berühmten weißen Blatt
Blütenweiß wird der Messestand der Marke Qoros auf dem Auto-Salon in Genf sein. Und in der Mitte, auf weißem Papier geparkt, wird der GQ3 stehen. Eine Mittelklasselimousine, das erste Serienmodell der 2007 gegründeten Marke. Die Symbolik ist klar, das Auto wurde – wie die gesamte Marke – von Grund auf neu entwickelt. In der zweiten Jahreshälfte, so teilt das Unternehmen mit, soll der Verkauf der Limousine beginnen. Und Ende des Jahres sollen die ersten Exemplare auch nach Europa kommen. Details über den Vertrieb gibt es derzeit allerdings noch nicht.
Netz internationaler Partner
International ist auch das Netz der Kooperationspartner. Dazu gehören Magna Steyr, der Motorenentwickler und -lieferant AVL sowie die Zulieferer TRW, Continental, Bosch, Getrag, Benteler, Lear, Microsoft, Harman, Neusoft-Alpine und Iconmobile – allesamt erste Adressen der Fahrzeugbranche. Das zeugt von einem ebenso selbstbewussten wie kenntnisreichen Agieren des Qoros-Managements, zu dem neben einigen chinesischen Topleuten auch mehrere europäische Fachleute gehören. Etwa der stellvertretende Qoros-Vorsitzende Volker Steinwascher, ehemals Leiter des Nordamerika-Geschäfts von Volkswagen, oder Gert Volker Hildebrand als Designdirektor, der zuvor für VW, Mitsubishi und zuletzt Mini arbeitete.
In leitenden Ingenieurs- und Entwicklungsfunktionen finden sich Klaus Schmidt, Peter Matkin, Roger Malkusson und Ralf Nicolas. "Wir sind ein neues Unternehmen, das frei von Tradition und Vorgeschichte den großen Vorteil hat, seine Entwicklung auf einem weißen Blatt Papier gestalten zu können“, sagt Steinwascher. Und Hildebrand erklärt: "Wir sind nicht angetreten, um zu beeindrucken, wir sind angetreten, um zu bleiben.“ Gebaut wird der Qoros 3 Sedan in einem neu errichteten Werk in Changshu, dessen Kapazität anfangs bei etwa 150.000 Fahrzeugen pro Jahr liegen wird. Später sollen hier jedoch bis zu 450.000 Fahrzeuge pro Jahr gefertigt werden. Die weiteren Modelle des modular aufgebauten Pkw-Sortiments sollen nach Angaben der Unternehmensleitung in einem Rhythmus von sechs bis acht Monaten lanciert werden.