Stuttgart. Doch nun hat Porsche im trockenen Südwesten der USA ein gepflegtes Exemplar erworben. „Das Auto ist in einem guten Originalzustand“, erklärt Alexander Klein, Leiter des Fahrzeugmanagements des Porsche-Museums. „Der Lack ist zwar schon etwas stumpf, aber die Karosserie ist weitgehend rostfrei.“ Porsche werde einen Teufel tun und das Auto komplett restaurieren, so Klein. Nach gründlicher Reinigung werde der 914/6 so wie er ist in die Ausstellung kommen. Stumpfer Lack, blasser Chrom, durchgesessene Sitze – so hätte noch vor Kurzem kein Autohersteller einen seiner historischen Schätze präsentiert.
Doch in der Oldtimer-Branche, die in Deutschland mittlerweile jedes Jahr Hunderte Millionen Euro umsetzt, hat ein Umdenken stattgefunden: Die chromglänzende Vollrestaurierung mit polierten Alu-Teilen, modernen Hochglanzlacken, makellos glattem Leder und leistungsgesteigertem Motor gilt in Sammlerkreisen mittlerweile als Zerstörung von Kulturgut, nicht als dessen Erhalt. „Das ist, als würde man die Mona Lisa mit modernen Acrylfarben neu übermalen, weil da Vincis alte Farbe schon so rissig ist“, echauffiert sich ein Sammler. Auch der „letzte Horch“, den die Belegschaft der Ingolstädter Auto Union 1953 ihrem Chef Richard Bruhn bauten und den Audi-Mitarbeiter 2007 auf einem staubigen Autofriedhof in Texas wiederentdeckten, wird nicht restauriert: „Das Auto steht so in der Sammlung, wie wir es gefunden haben“, sagt Thomas Frank, Leiter von Audi Tradition. Die neue Lust an der Patina hat auch einen politischen Hintergrund: Damit Oldtimer weltweit als schützenwertes, historisches Kulturgut anerkannt werden, hat die Internationale Vereinigung für historische Fahrzeuge (FIVA) gemeinsam mit ADAC, VDA und ZDK die Charta von Turin verabschiedet. Ähnlich wie schon die Charta von Venedig, die seit 1964 Baudenkmäler schützt, will die Charta von Turin historische Autos retten.Oldtimer sollen als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt werden. Die Charta empfiehlt deshalb, historische Autos so sorgsam zu restaurieren wie Bauten, Denkmäler oder Gemälde: Erhalten statt erneuern steht im Mittelpunkt. Denn in einigen Ländern weht den Oldtimern der umweltpolitische Wind ins Gesicht: Obwohl von ihnen schon wegen der geringen Zahl – in Deutschland haben nur 231.000 Pkw ein H-Kennzeichen – kaum eine ernsthafte Umweltgefahr ausgeht, haben die Niederlande den Oldtimer- Status für mindestens 25 Jahre alte Autos gerade erst abgeschafft. Und der Bürgermeister von Paris will Autos, die älter als 17 Jahre sind, die Einfahrt in seine Stadt grundsätzlich verbieten: Kein Citroën 2CV dürfte mehr durch Paris fahren. Adieu, Ente. Es sei denn, die UNESCO stellt sie unter Artenschutz.Die neue Lust an der Patina
Der Porsche 914/6 war ein Wolf im Schafspelz: Äußerlich vom VW-Porsche 914/4 kaum zu unterscheiden, schlummerte unter dem Targa-Bügel statt eines asthmatischen VWVierzylinders der Sechszylinder- Boxer aus dem Porsche 911 T mit immerhin 110 PS. Das machte aus dem ungeliebten Mittelmotor- Auto einen echten Sportwagen, wenn auch einen teuren: 1970 kostete der 914/6 fast 20.000 Mark, 8000 Mark mehr als der Vierzylinder. Dementsprechend selten ist das Modell – so selten, dass sogar das Porsche-Museum bis vor Kurzem keines besaß.