St. Petersburg. Im vergangenen Jahr hat er 37.515 BMW und 2691 Mini ins Land geholt – ein Plus von jeweils gut 30 Prozent. „Und im ersten Halbjahr 2013 stehen wir erneut gut da: Im Vergleich zum Vorjahr haben wir bis Juni um 16 Prozent zugelegt.“ Der Gesamtmarkt brach im gleichen Zeitraum um sechs Prozent ein. „Aber wie in vielen Ländern hat sich der Premiummarkt davon entkoppelt und ist mit elf Prozent im Plus“, sagt Schlimme. Wie gut der Rubel in Russland für BMW rollt, weiß kaum jemand besser als Eugen Körner. Er arbeitet in der Geschäftsführung von Park M vor den Toren von St. Petersburg. Park M ist einer von weltweit nur zwei exklusiven Händlern der M GmbH. Genau wie bei den Kollegen in Singapur stehen in dem weißen Prachtbau ausschließlich die Performance- Modelle: „Wer einen X1 oder einen Z4 kaufen möchte, den vermitteln wir an einen von sechs anderen BMW-Showrooms in der Stadt.“ Trotzdem haben die Verkäufer bei Park M mehr als genug zu tun: In einem guten Jahr, etwa 2014, wenn es wieder einen nagelneuen M3 gibt, rechnet die erst im November 2011 eröffnete M-Dependance in St. Petersburg mit dreistelligen Absatzzahlen. Schon im ersten Jahr kam Park M auf zehn Prozent der gesamten M-Verkäufe in Russland, sagt Körner stolz. Und die sind in Russland besser als in vielen anderen Ländern, pflichtet ihm Schlimme bei: „Unsere M-Modelle faszinieren die Russen schon immer. Das schlägt sich in der Bilanz deutlich nieder. So haben wir hier im vergangenen Jahr exakt 681 M-Automobile verkauft und liegen damit in der Rangliste der BMW M-Märkte weltweit auf Platz sechs.“ „Die Nachfrage ist über alle Baureihen hinweg sehr hoch“, sagt Körner.
Aber es gibt Modelle, die besonders gut gehen: X5 M und X6 M zum Beispiel stehen kaum im Showroom, dann seien sie schon wieder weg. „Der X6 M ist im ganzen Land ein absoluter Bestseller“, ergänzt Schlimme. „Außer in den USA gibt es kein anderes Land, in dem sich dieses Modell so gut verkauft wie bei uns.“ Dabei profitieren die Bayern vom Geltungsbedürfnis der Kunden: „Anders als in den meisten Ländern steht das Auto in Russland auf der persönlichen Wunschliste noch vor dem Eigenheim an erster Stelle“, sagt Körner und weist auf einen zweiten Umstand hin, der ihm in die Hände spielt: „CO2-Ausstoß und Verbrauch sind hier absolut kein Thema.“ In Zukunft könnte der Kundenandrang bei Park M sogar noch größer werden, als er heute schon ist. Zwar müssen Körner und seine Kollegen demnächst erst einmal mit Baustellenlärm und Verkehrsbehinderungen leben. Doch dafür wächst dann in der unmittelbaren Nachbarschaft die neue Zentrale von Gazprom in die Höhe. In das mit knapp 500 Metern wohl höchste Haus Europas sollen zum Ende des Jahrzehnts bis zu 30.000 Mitarbeiter einziehen, erzählt Körner – viele davon mit einem großzügigen Gehalt, langer Mittagspause und noch viel Platz in der Garage.Der Rubel rollt für die M GmbH
Wolfgang Schlimme hat gut lachen. Von Krise ist beim Leiter der russischen Vertriebsgesellschaft der BMW-Gruppe nichts zu spüren. Im Gegenteil: Selbst als der Markt 2009 um 50 Prozent einbrach, hielt sich der Rückgang für die Bayern in Grenzen. „Und aktuell liegen unsere Wachstumsraten sogar über denen von Amerika und China“, freut sich der Vertreter der Münchner in Moskau.