München. Die Autohersteller wollen den Verlust von Händlern um jeden Preis vermeiden, sagte Steve Young vom ICDP dem Automobilwoche- Schwesterblatt Automotive News Europe: „Weniger Abdeckung bedeutet weniger Absatz.“ Die Studie zeigt auch, dass es Vertragshändlern deutscher und asiatischer Marken besser geht als den Kollegen bei PSA und Fiat. Während Volkswagen, BMW, Mercedes- Benz, Audi, Hyundai und Nissan die Zahl der Verkäufe pro Betrieb um 25 Prozent oder mehr steigern konnten, verzeichneten Fiat, Peugeot, Citroën, Jaguar, Chrysler und Smart Verluste in gleicher Höhe. Der leichte Rückgang der Händler im Jahr 2012 ist laut Young vornehmlich auf die Übernahme familiengeführter Betriebe und kleinerer Gruppen durch größere Unternehmen zurückzuführen. In besonders hart von der Krise getroffenen Ländern sank die Zahl der Händler um vier bis neun Prozent, etwa in Griechenland (neun Prozent), Spanien (acht Prozent) und Portugal (sechs Prozent). Weil der Neuwagenmarkt schneller schrumpft als die Zahl der Händler, sank allerdings die Zahl der pro Autohaus verkauften Fahrzeuge erheblich. Die große Ausnahme bildet Deutschland. Hier sind die durchschnittlichen Verkaufszahlen zwischen 2002 Und 2012 sogar um 19 Prozent gestiegen, während die anderen großen Märkte deutlich verloren: Großbritannien um zwölf Prozent, Frankreich um 19 Prozent, Italien fast um ein Viertel und Spanien um mehr als die Hälfte. Für eine bessere Marktabdeckung erhöhen die Autohersteller zudem die Zahl von B-Händlern, die ihre Fahrzeuge von A-Händlern beziehen. Laut ICDP ist die deren Zahl in der EU im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 23.514 gestiegen. „Sub-Händler brauchen nicht die gleichen Standards zu erfüllen wie Haupthändler“, erläutert Young. „Zudem führen sie häufig weitere Marken oder sind in anderen Geschäftszweigen aktiv. Das erhöht die Überlebenschancen in Krisenzeiten.“ Das Netz der autorisierten Servicebetriebe ist ebenfalls weitgehend stabil geblieben: Der Rückgang in etablierten Märkten werde durch das Wachstum in Osteuropa und durch neue Marken kompensiert, so Young. „Das Gesamtvolumen im Bereich Reparatur und Wartung wird allerdings bis zum Ende des Jahrzehnts weiter sinken, weil die Autos immer zuverlässiger werden.“ Auch im Händlernetz seien zum Ende des Jahrzehnts größere strukturelle Veränderungen unvermeidlich, so Young. Die Kunden nutzten verstärkt neue Vertriebswege wie das Internet, während zugleich die steigende Zuverlässigkeit für seltenere Werkstattbesuche sorge. „Dies dürfte zu einem Schrumpfen der Händlernetze, zu einer Umgestaltung der Betriebe und potenziell zu einer Zunahme der Mehrmarkenhändler führen.“
Um jeden Händler kämpfen
Trotz der Absatzkrise in Europa bleibt die Zahl der Autohändler weitgehend stabil. Das Beratungsunternehmen International Car Distribution Programme (ICDP) zählte für 2012 in der Europäischen Union 51.070 Vertragshändler – ein moderater Rückgang von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Pkw- Neuzulassungen um acht Prozent auf zwölf Millionen Einheiten.