Kirchheim/Teck. Der Zulieferer KSPG, bislang Spezialist für Motorkomponenten, steigt in das Geschäft mit Fahrwerk- und Karosserieteilen ein. Dies bestätigte Vorstandsmitglied Horst Binnig an Rande einer Veranstaltung Anfang Juli. Ein erster Auftrag für einen Hinterachsträger aus Aluminium-Druckguss steht kurz vor Serienanlauf. Gefertigt wird er in China für das dortige Werk eines deutschen Premiumherstellers, den Binnig nicht nennen wollte.
In der China-Anwendung, die später auch auf Deutschland übertragen werden soll, ersetzt das Aluminium-Bauteil einen Hinterachsträger aus Stahlblech. Der Materialwechsel führt zu einer Gewichtsreduktion um 50 Prozent. „Die Einsparung von zehn Kilo wird ohne Mehrkosten für den Autohersteller erreicht“, so Binnig. „Beim C-Preis, der alle Logistikkosten umfasst, sind wir absolut wettbewerbsfähig.“ Allerdings, das gesteht KSPG ein, sei diese Rechnung nicht eins zu eins auf andere Fälle übertragbar. Denn für die Kosten großer Bauteile sei die Entfernung zwischen den Werken von Hersteller und Zulieferer entscheidend. Der C-Preis kann den A-Preis, der für das Bauteil allein gezahlt werde, um bis zu 25 Prozent übersteigen.Weitere Aufträge sollen derzeit in einer Bemusterungsphase sein, über die Serienproduktion sollte dementsprechend rasch entschieden werden. „Da kommt noch viel mehr“, kündigte Binnig an. Die Expertise im Bereich Gießereitechnik und Werkstoffe sei am Markt so gefragt, dass man nun einen lang gehegten Plan in die Wirklichkeit umsetze. Schon seit Jahren hat das Unternehmen eine B-Freigabe für Fahrwerkteile von Audi.KSPG steigt ins Fahrwerksgeschäft ein
KSPG, Zulieferer im Bereich Motorkomponenten, weitet sein Produktportfolio aus und engagiert sich nun auch im Bereich Fahrwerk.
Eine Million Motorblöcke im Reich der Mitte
Auch ohne das neue Geschäftsfeld wächst das China-Geschäft des Zulieferers, der 2012 einen Automotive-Umsatz von knapp 2,4 Milliarden Euro erzielt hat, rasch. 2012 ist der Umsatz dort um 30 Prozent gestiegen, wenn man die nicht konsolidierten Joint Ventures einbezieht. Mittlerweile produziert der Zulieferer eine Million Motorblöcke im Reich der Mitte, eine Zahl, die sich innerhalb weniger Jahre verdreifachen soll. Ein neues Werk für Großkolben steht in Shanghai kurz vor der Fertigstellung, von dort aus soll der asiatisch dominierte Markt für Schiffsantriebe beliefert werden.
Neben dem neuen Geschäftsfeld und der fortschreitenden Internationalisierung sieht Binnig das Geschäft mit Ottomotorkomponenten als Wachstumstreiber. Die Produkte der Division „Mechatronics“, hervorgegangen aus der ehemaligen Pierburg, seien derzeit noch stark auf den Dieselmotor konzentriert. „Die Welt fährt aber mit Benzin“, so Binnig. Die strengeren CO2- und Emissionsvorschriften führen dazu, dass beim Diesel erprobte Technologien wie die Abgasrückführung nun auch beim Ottomotor Einzug halten. Unbegrenztes Wachstum wird es allerdings auch bei KSPG nicht geben: „Unser Potenzial ist vermutlich größer als das, was wir uns leisten können“, sagt Binnig mit Blick auf die heute schon hohe F&E-Quote von 6,2 Prozent.