München. Denn dort ist die Lage oftmals genau umgekehrt. Es fehlt an Arbeit, nicht an Arbeitern. In Spanien beispielsweise finden rund 20 Prozent der jungen Menschen keinen Job, und darunter sind viele gut ausgebildete Akademiker und Fachkräfte. BMW zum Beispiel versucht nun verstärkt, an diesen Pool hochqualifizierter ausländischer Fachkräfte heranzutreten und einige der Besten abzuschöpfen. „Wir haben unsere Personalmarketingmaßnahmen außerhalb Deutschlands ausgedehnt und sind beispielsweise auf Karrieremessen im europäischen Ausland vertreten“, sagt ein BMW-Sprecher. „Darüber hinaus haben wir begonnen, mit ausgewählten ausländischen Hochschulen zu kooperieren.“ 4000 Bewerbungen junger Spanier zählte man jüngst bei BMW.
Die neue Generation Gastarbeiter
Und im Oktober startet BMWs Personalvorstand Milagros Caińa- Andree, selbst Spanierin, ein besonderes Projekt: 25 junge Spanier werden bei BMW ein Jahr Berufserfahrung erhalten. Dafür hatten sich innerhalb eines Monats 3500 Spanier beworben. „Deutschland braucht Fachkräfte“, sagt Caińa- Andree. „Es ist ein richtiger Ansatz, gezielt Zuwanderung zu fördern. Damit ist aber auch die Verantwortung verbunden, nicht nur Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben und dadurch dort einen Braindrain zu verursachen. Die anderen Länder müssen auch einen Nutzen davon haben.“ So werden die 25 Spanier, die größtenteils bei BMW-Gastfamilien leben sollen, nach dem Auslandsjahr wieder in ihre Heimat zurückkehren. Wer hierbleiben wolle, so Caińa-Andree, bekäme allerdings auch in München eine Chance. Bei Volkswagen reagiert man ebenfalls auf die prekäre Arbeitsmarktsituation. Im vergangenen Sommer wurde das zweijährige Traineeprogramm „StartUp Europe“ gestartet. Das Angebot ist speziell an Hochschulabsolventen aus Spanien und Portugal gerichtet. Die Teilnehmer werden zunächst in ihrem Heimatland in einer Auslandsgesellschaft von VW beschäftigt. Danach wechseln die Trainees bis zu 21 Monate in eine der deutschen Konzerngesellschaften. „Für viele junge Menschen in Südeuropa ist es zurzeit selbst mit guter Ausbildung schwierig, in ihrer Heimat einen beruflichen Einstieg zu finden“, erklärt Horst Neumann aus dem VW-Vorstand. „Unser Angebot gibt ihnen eine solide Perspektive, am Ende des Programms ist eine Festanstellung möglich.“ Auf die 43 Plätze hatten sich 1800 Interessenten beworben.
Den meisten Unternehmen geht es nicht nur um das konkrete Anwerben einzelner Personen. Daneben sind die Hersteller und Zulieferer bemüht, ihre Marke als Arbeitgeber zu positionieren. Branchengröße Continental betreibt ein solches sogenanntes „Employer Branding“ auf verschiedenen Kanälen: „Für ein weltweit agierendes Unternehmen wie Continental ist es entscheidend, international Nachwuchskräfte zu gewinnen. Mit den potenziellen Nachwuchskräften stehen wir im Internet oder über Social Media im direkten Dialog“, sagt eine Conti-Sprecherin. Daneben ist man auch „offline“ präsent. „Wir sind im ständigen Austausch mit ausgewählten Universitäten vor Ort und besuchen beispielsweise aktuell verstärkt Karrieremessen in Südeuropa, um auf die Möglichkeiten bei Continental – auch in Deutschland – aufmerksam zu machen“, erläutert die Sprecherin.