München. Bislang erzielt der Zulieferer mit Sitz im zentraljapanischen Kariya etwa zwei Drittel des Umsatzes von rund 17,6 Milliarden Euro mit der Toyota-Gruppe. Wie Akira Nakamura, seit 2012 Europa- Präsident von Aisin, im Gespräch mit der Automobilwoche ankündigte, soll der Gesamtumsatz bis 2020 um etwa 50 Prozent auf gut 25 Milliarden Euro zulegen. Der Anteil der nicht mit der Toyota-Gruppe erzielten Erlöse soll bis dahin von gut 30 auf etwa 50 Prozent wachsen. Zwischen sieben und acht Prozent des Umsatzes erziele Aisin bislang in Europa. Nakamura: „Wir befinden uns in Europa immer noch in einer Art Startphase. Aber wir wollen auch hier eine starke Position erreichen.“ Das Mutterunternehmen Aisin Seiki und die fünf Töchter produzieren vor allem Automatikund Schaltgetriebe, Bremssysteme, Gussprodukte, Reibbeläge vor allem für Bremsen sowie Navigationssysteme. Die Produkte finden sich in Motor und Antriebsstrang, Chassis, Bremssystem und Karosserie. Traditionell ist Aisin in Japan und im übrigen Asien stark aufgestellt. Dort arbeitet der Zulieferer an rund 130 Standorten, erläutert Akira Nakamura. Nordamerika mit 31 Niederlassungen ist der zweitwichtigste Markt. In Europa verfügt Aisin über elf Standorte, darunter die Zentrale in Belgien und drei Werke mit zusammen zirka 650 Mitarbeitern: In Großbritannien und der Türkei werden Teile für die Karosserie gefertigt, wie Schlösser, Griffe, Türrahmen und Schiebedachsysteme. In Tschechien entstehen Aggregate und Teile für Motoren wie Wasser- und Ölpumpen, Kurbelgehäuse, Nockenwellenversteller und Ansaugkrümmer. Zu rund 95 Prozent gehen diese Produkte an europäische Kunden. Unter den Nicht-Toyota-Kunden sind VW und Audi mit einem Anteil von fast 30 Prozent die wichtigsten Abnehmer von Aisin. Die VW-Gruppe werde vor allem mit Automatikgetrieben aus japanischer Produktion beliefert, erklärt Nakamura. Das starke Interesse von Aisin an europäischen Kunden ist zum einen natürlich der gewünschten Diversifizierung bei den Abnehmern und dem angepeilten Umsatzwachstum geschuldet. Dabei kann Aisin auch die in Asien bereits vorhandenen Werke in die Waagschale werfen, die neue Standorte der deutschen Automobilhersteller beliefern können. So versorgt Aisin beispielsweise auch Volkswagen in China. Zum anderen sieht Nakamura die europäische Automobilindustrie weiterhin als Technologieführer an. Dort als Zulieferer vertreten zu sein, sei gut fürs Image und für die eigene technologische Weiterentwicklung. Umgekehrt hofft Nakamura, bei den deutschen Herstellern auch mit japanischem Hybrid-Knowhow punkten zu können. Dazu zählen etwa Getriebe für Hybridantriebe, Bremssysteme für die Rekuperation und Wasserpumpen für die Inverterkühlung.
Aisin will Wachstum in Europa
Die Aisin-Gruppe will stärker bei deutschen Automobilherstellern Fuß fassen. Der mit knappem Abstand hinter Magna fünftgrößte Zulieferer der Welt möchte mit zusätzlichen Aufträgen von deutschen Kunden die Abhängigkeit vom Geschäft mit Toyota bis 2020 deutlich reduzieren und einen Wachstumsschub erreichen.