Bonn. Hülzer zeigt Verständnis für die Zurückhaltung: 2012 sei für den Reifenhandel katastrophal gewesen, und die Vorratshaltung binde Kapital. Da seien viele Betriebe vorsichtig, auch weil sie in den vergangenen Jahren nicht gerade Speck angesetzt hätten. Ein weiterer Grund sei, dass die Hersteller einmal gekaufte Reifen nicht mehr zurücknehmen. Als mögliche Lösung für das Dilemma nannte Hülzer die Option, den Betrieben zu erlauben, die Bezahlung im Zweifelsfall ein Stück weit hinauszuschieben. Alle hofften jetzt auf den Winterreifenmarkt, sagt Hülzer. Bisher liegt der Absatz von Pkw-Reifen im laufenden Jahr um 8,1 Prozent unter dem bereits schlechten Vorjahr. Mit Oktober und November stehen die beiden wichtigsten Reifenmonate aber noch an. Im vergangenen Jahr waren in diesen Monaten 35,3 Prozent des Gesamtabsatzes an Pkw-Reifen erzielt worden. Bei den Winterreifen wurden hier sogar 60,9 Prozent des Umsatzes erzielt. Die Sommerreifensaison sei dagegen im Prinzip beendet, sagt Hülzer. Hier stand Ende August ein Minus von 10,5 Prozent – ebenfalls im Vergleich zu einem schwachen Vorjahr. Hoffnung mache dagegen, dass möglicherweise viele Autofahrer den Kauf im vergangenen Jahr hinausgeschoben haben und jetzt nicht mehr länger zögern können.
Große Nervosität vor der Winterreifensaison
„Ich habe noch nie erlebt, dass die Branche vor einer Winterreifensaison so nervös war“, sagt Peter Hülzer, Chef des Reifenfachhandelsverbands BRV. Die Bevorratungspolitik der Betriebe sei von äußerster Vorsicht geprägt, teilweise werde bis zu 30 Prozent weniger bestellt als im vergangenen Jahr. Auch die Einkäufe des Reifenfachhandels bei Winterreifen liegen mit 10,9 Millionen von Januar bis Ende August um 13,1 Prozent unter Vorjahr.