München. Rund 400 Autohäuser und Werkstätten in Deutschland mussten im ersten Halbjahr Insolvenz anmelden. Das ist ein Rückgang von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie aus einer Hochrechnung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform für Automobilwoche hervorgeht. Die Kfz-Branche stemmt sich damit gegen den Trend der Gesamtwirtschaft, wo es 3,6 Prozent mehr Pleiten gab. Der ZDK sprach angesichts der Zahlen von einer "gewissen Robustheit des Kfz-Gewerbes" und hofft auf ein baldiges Anziehen des Neuwagengeschäfts.
Allerdings geht ein Riss durch das Kfz-Gewerbe. Während sich vor allem Werkstätten als robust erwiesen, stieg die Zahl derInsolvenzen im Autohandel nach Angaben des Wirtschaftsinformationsdiensts Bisnode um 19 Prozent auf 120. Stefan Bratzel von Center of Automotive Management führt die gute Entwicklung der Servicebetriebe auch darauf zurück, dass dort bereits eine starke Konsolidierung stattgefunden hat. Zudem seien Kunden im Servicebereich seltener bereit, weite Fahrten zu einem günstigeren Anbieter auf sich zu nehmen. "Im Handel ist die Stabilisierung dagegen noch nicht erreicht", sagt er. Dort könne sich im zweiten Halbjahr die Lage weiter verschlechtern. Ob sich dies letztlich in echten Insolvenzen oder Übernahmen im letzten Moment niederschlage, sei aber offen.Weniger Pleiten im Kfz-Gewerbe
Angesichts prominenter Insolvenzen wie der Autowelt König oder der Schulz AG im ersten Halbjahr und der Tatsache, dass Autohäuser immer wieder darüber klagen, von den Banken als Risikokunden gesehen zu werden, überrascht es, dass das Kfz-Gewerbe im ersten Halbjahr eine unterdurchschnittliche Insolvenzquote aufwies. Creditreform errechnete hier einen Anteil von 77 Insolvenzen auf 10.000 Betriebe. Über allen Branchen in Deutschland hinweg waren es 96. Allerdings lag der Risikoindikator der relativen Anfälligkeit für die Autohäuser bei 251 von 10.000 und damit über dem Wirtschaftsdurchschnitt von 194. In diesen Indikator fließen auch weitere Negativmerkmale wie eidesstattliche Versicherungen ein. Bei einzelnen Branchen erreichte er im ersten Halbjahr Werte von mehreren hundert bis über 800 Unternehmen pro 10.000.
Keine Veränderung stellte Bisnode übrigens bei den Zulieferern (Tier 1 und Tier 2) fest. Hier gab es wie im Vorjahreszeitraum 71 Insolvenzen.