München. „Dass diese Systeme de facto zu einer Voraussetzung für fünf Sterne werden, wird die Verfügbarkeit im Markt und die Akzeptanz bei den Kunden deutlich steigern“, betonte eine Euro-NCAP-Sprecherin gegenüber der Automobilwoche. Die von europäischen Automobilclubs, Verbraucherorganisationen und Regierungen getragene Organisation geht davon aus, dass AEB die Unfallzahlen um bis zu 27 Prozent reduzieren könnten. Aber noch Mitte 2012 seien in rund 80 Prozent der in Europa verkauften Fahrzeuge AEB nicht einmal optional verfügbar gewesen. Euro NCAP wird drei Systeme in die Tests einbeziehen: ab 2014 jene zur Vermeidung von Auffahrunfällen bei niedrigen (AEB City) und bei hohen Geschwindigkeiten (AEB Inter-Urban), 2016 folgen Notbremssysteme, die Fußgänger schützen (AEB Pedestrian). Die City-Systeme werden in der Kategorie Insassenschutz untersucht, weil sie in erster Linie darauf zielen, Auffahrunfälle zu entschärfen. Gewertet werden sie nur, wenn sie zur Basisausstattung gehören. Die Hochgeschwindigkeitssysteme werden in die Kategorie Safety Assist (aktive Sicherheit) aufgenommen. Diese Systeme werden 2014 nur gewertet, wenn sie in mindestens 50 Prozent aller in der EU verkauften Fahrzeuge verbaut sind, drei Jahre später müssen es 100 Prozent sein. Zum Start 2014 lassen sich fünf Sterne laut Euro NCAP theoretisch noch ohne Notbremssysteme erreichen. 2015 werden die Wertungen so verschärft, dass die Spitzenwertung ohne AEB nicht mehr erzielt werden kann. Ab 2016 wird die Systematik ausgeweitet, indem die Notbremsung zum Schutz der Fußgänger einbezogen wird. Zunächst wird nur bei Tageslicht geprüft. Tests bei Nacht und die Erkennung von Radfahrern dürften später folgen.
Bei der Frage, welchen Anteil ihrer Fahrzeugmodelle sie künftig mit AEB-Systemen anbieten werden, mochten sich die von der Automobilwoche befragten Autobauer nicht in die Karten schauen lassen. Einhellige Aussage von Ford, Opel und VW sowie Audi, BMW und Mercedes-Benz: Die Verfügbarkeit der Systeme wird steigen, wobei sie bei den Premiumherstellern schon in vielen Baureihen zumindest optional verfügbar sind. Kritische Anmerkungen zum Euro-NCAP-Fahrplan kommen aus Wolfsburg. Auch dort wird die Einbeziehung von Fahrerassistenzsystemen grundsätzlich begrüßt. Aber angesichts der „teils dramatischen Auswirkungen“ der Euro-Krise auf die Autoindustrie seien die geforderten Einbauraten der Assistenzsysteme „extrem ambitioniert. Von daher würden wir Euro NCAP empfehlen, diese Anforderungen noch einmal neu zu bewerten“, heißt es von VW.Fünf Sterne nur mit AEB
Ohne automatische Notbremssysteme werden sich fünf Sterne im Euro-NCAP-Rating künftig kaum erzielen lassen. Ab 2014 nimmt die Organisation die AEB ("Autonomous Emergency Braking“) in den Bewertungskatalog auf und möchte damit deren Verbreitung vorantreiben. Bislang werden AEB und weitere Assistenzsysteme nur durch die Zusatzauszeichnung "Euro NCAP Advanced“ gewürdigt.