München. Beim Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU), das zusammen mit Volkswagen das Projekt koordinierte, wird der Unterschied zwischen Erhofftem und Erzieltem relativiert. „Von einer Diskrepanz können wir aus unserer Sicht nicht sprechen“, erläutert Matthias Putz, Gesamtkoordinator der Allianz und Hauptabteilungsleiter am Fraunhofer IWU. Denn „im Rahmen der Innovationsallianz wurden, im Unterschied zur Aussage von Professor Meyer-Krahmer, die sich auf den gesamten Karosseriebau bezog, nur ausgewählte Teilprojekte mit besonderem Realisierungsrisiko entlang der Prozesskette betrachtet.“ Die Projektergebnisse zeigten, „dass ein großes Potenzial für die Energieeinsparung vorhanden ist“. Große Möglichkeiten sehe man vor allem bei Planung und Maschinentechnik. In Einzelbereichen wurden tatsächlich beachtliche Möglichkeiten entdeckt. So ließen sich etwa allein durch das Abschalten von Anlagen in Pausen und an Wochenenden Einsparungen von über zehn Prozent erzielen. Im Druckluftbereich könnte der Energieverbrauch um rund 35 Prozent gesenkt werden. Dieses Potenzial sei „mit vertretbarem Optimierungsaufwand“ zu heben und könne bei Anlagenneuplanungen leicht realisiert werden. Auch beim Schweißen zeigten sich teilweise große Potenziale. Als Beispiel wird im Abschlussbericht die Tür hinten links der für dieses Projekt definierten Referenzkarosserie genannt: Rund 50 Prozent der Gesamtenergie fließen hier in Laserquellen, und davon können knapp 40 Prozent eingespart werden. Ergebnisse des InnoCaT-Projekts werden auch umgesetzt, wie Koordinator Putz betont. Einige der beteiligten Firmen hätten bereits auf der Hannover Messe konkrete Lösungen vorgestellt. Die Forschung in diesem Bereich wird intensiv weitergehen, wie Putz erläutert. So werde noch 2013 in Chemnitz eine Forschungsfabrik mit dem Namen „Ressourceneffiziente Produktion“ eröffnet. In Zusammenarbeit mit Volkswagen strebt das Fraunhofer IWU dort die Realisierung einer „quasi energieautarken Produktion“ an. Dort geht es um Optimierungen in den Produktionsbereichen Karosseriebau und Antriebsstrang.
Sparpotenzial bei der Karosserie
Der Energieverbrauch in der Karosserieproduktion lässt sich zwar deutlich senken, doch die bislang erhoffte Halbierung ist nicht erreichbar. So lassen sich die Ergebnisse der Innovationsallianz Green Carbody Technologies (InnoCaT) interpretieren. Am Ende des dreijährigen Projekts ergab sich über alle 30 untersuchten Einzelbereiche ein durchschnittliches Einsparpotenzial von rund zehn Prozent. Zum Start der von der Bundesregierung unterstützten Forschungsallianz hatte Frieder Meyer-Krahmer, damals Staatssekretär im Forschungsministerium, noch gehofft: "Eine Energieeinsparung von 50 Prozent ist möglich.“ Selbst bezogen auf die gesamte Produktion wäre das ein erheblicher Fortschritt gewesen, da rund ein Drittel der gesamten Energie für die Fahrzeugproduktion auf den Karosseriebau einschließlich Lackierung entfällt.