München. Zum Siegeszug des Pkw hat beispielsweise ganz erheblich die Verwendung von Ruß beigetragen. Um das Jahr 1900 gab es in der Reifenproduktion ein großes Problem. Die damaligen braun-gräulichen Reifen aus Naturkautschuk waren extrem empfindlich, Reifenpannen daher an der Tagesordnung. Bis Forscher entdeckten, dass die Beimischung von Ruß den Naturkautschuk deutlich härtet. Dank dieses Verfahrens wurden Gummireifen zur Standardausstattung von Autos – und bekamen ihre typische Farbe. Auch heute noch wird der Gummimischung Ruß beigegeben, jedoch fast ausschließlich der Farbe wegen. „Seit den 1990er-Jahren wird bei der Reifenproduktion der Ruß zunehmend durch Silica, also Kieselerde, ersetzt“, sagt Carsten Graf vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Dies hat die Eigenschaften der Reifen vor allem bei Nässe noch einmal deutlich verbessert. Einen Fortschritt erreichte auch der Zulieferer Mahle durch eine Leichtbauinnovation. Bereits 1921 entwickelten die Gebrüder Mahle eine Alternative zu den damals üblichen Kolben aus Grauguss. Als erstes Unternehmen in Europa produzierten die Stuttgarter eine deutlich gewichtsreduzierte Lösung aus Leichtmetall. Ein erhebliches Plus an Wartungsfreundlichkeit wurde durch den hydraulischen Ventilspielausgleich erreicht. Bis zu dieser Innovation musste das Ventilspiel regelmäßig nachjustiert werden. „Der VW Golf I hatte noch ein mechanisches System. Im Golf II wurde dann schon automatisch justiert“, erläutert Graf. Zudem werden die Emissionen aufgrund des stets optimalen Ventilspiels niedrig gehalten. Zur Verringerung der Abgase haben auch die seit etwa 20 Jahren eingesetzten Katalysatoren beigetragen. Während die Kats allseits bekannt wurden, ist die Lambdasonde nicht jedem Autofahrer ein Begriff. Die 1976 von Bosch entwickelte Sensortechnik, die den Restsauerstoff im Abgasstrom misst, sorgt dafür, dass die eingespritzte Kraftstoffmenge so gesteuert werden kann, dass ideale Bedingungen für die Abgasreinigung bestehen. Weitere folgenreiche deutsche Auto-Innovationen waren unter anderem der Wirbelstromtachograph von Continental (1902), die Zweidraht-Scheinwerferlampe von Osram (1925), der Fensterheber von Brose (1926), der Simmerring von Freudenberg (1929), das Allsynchron-Getriebe von ZF (1934), das Autoradio „Becker Mexico“ (1953) mit automatischem Suchlauf, das Klimagerät für Heizung und Kühlung von Behr (1971), der Einklemmschutz von Kostal (1986) und spezielle Crashelemente von Suspa (2003).
Fast vergessene Sternstunden
Wichtige Erfindungen der Automobiltechnik? Auf diese Frage fallen einem sofort Dinge wie ABS, Airbag oder Common- Rail-Einspritzung ein. Es gab jedoch viele Erfindungen in der Automobilgeschichte, deren Einfluss auf die Fahrzeugentwicklung kaum minder bedeutend war, die jedoch fast in Vergessenheit geraten oder nahezu unbekannt sind. Es lohnt ein Blick auf solche weniger prominenten Entwicklungen, die heute im Automobilbau Standard sind.