Stuttgart.Porsche hat im Rechtsstreit mit Hedgefonds in den USA einen Etappensieg errungen. 12 von 32 Fonds haben ihre Berufung gegen die Abweisung ihrer Klagen gegen die Porsche SE und ehemalige Vorstände zurückgenommen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Die Porsche-Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Kursanstieg auf die Nachrichten. Die Papiere legten am Vormittag fast vier Prozent zu.
Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen 2008/2009 hat ein langes juristisches Nachspiel. Dabei geht es sowohl um strafrechtliche Ermittlungen als auch um Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Porsche hatte versucht, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Damals war es auch zu Kurskapriolen bei den Aktien des Wolfsburger Autobauers gekommen. Investoren fühlen sich rückblickend falsch informiert und fordern nun Schadenersatz. Mittlerweile gehört das Porsche-Autogeschäft komplett zum VW-Konzern.Bereits Ende Dezember hatte die Porsche SE in einem zweiten Verfahren einen Teilerfolg gegen Hedgefonds errungen. Dabei ging es um die Frage, ob Gerichte in den USA oder in Deutschland zuständig sind. Der New York State Supreme Court hatte damals entschieden, dass New York nicht der richtige Gerichtsstand für die Beurteilung der Ansprüche der Hedgefonds sei. Vom Tisch sind die Forderungen nicht. Es wird lediglich wahrscheinlicher, dass die Rechtsstreitigkeiten in Deutschland ausgefochten werden.Klagefront gegen Porsche bröckelt in den USA
Gute Nachrichten für Porsche: Mehrere der Fonds, die in den USA gegen das Unternehmen geklagt hatten, haben aufgegeben. Doch so ganz ist das Problem für Porsche damit noch nicht vom Tisch.
Klagen gegen Porsche und VW
Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen 2008/2009 hat ein langes juristisches Nachspiel. Es geht um strafrechtliche Ermittlungen und auch um Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Das Klagerisiko liegt bei der Porsche Holding SE. Neben den USA hat der Konzern auch in Deutschland einiges am Hals:- Landgericht Braunschweig: Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding SE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, haben laut Plan ihren mündlichen Verhandlungstermin am 17. April 2013. Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.- Stuttgart 1: Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten, der Prozess soll 2013 enden. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.- Stuttgart 2: Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.
Klagen in Deutschland noch nicht entschieden
In den USA sind immer noch 20 Kläger übrig. Hinzu kommen Klagen, die in Deutschland vor dem Landgericht Braunschweig anhängig sind. Dazu gehören auch die 12 Kläger, die sich nun in den USA zurückgezogen haben. Sie hatten schon Ende 2011 eine Schadenersatzklage in Braunschweig eingereicht und machten damals einen Gesamtschaden von 1,8 Milliarden Euro geltend. Die Porsche SE bekräftigte erneut, dass sie die Klagen weiterhin für unzulässig und unbegründet hält. Ein Porsche-Sprecher wollte den Ausgang am Donnerstag in den USA nicht weiter kommentieren.
Vor dem New Yorker Gericht hatten Hedgefonds Schadenersatzklagen gegen die Porsche SE und zum Teil auch gegen ehemalige Vorstandsmitglieder erhoben. Sie hatten einen Schaden in Milliardenhöhe geltend gemacht. Ein US-Gericht hatte die Klagen im Dezember 2010 in erster Instanz abgewiesen. Hiergegen hatten ursprünglich 32 Kläger Berufung eingelegt. (dpa/swi)