Schon die alten Griechen wussten: "Wer die Sprache beherrscht, beherrscht die Menschen.“ Ein sehr schönes Beispiel für diese These ist der Begriff "Dienstwagenprivileg“, den die Grünen und Umweltgruppen erfolgreich in die Debatte eingeführt haben und der nun aus der Berichterstattung kaum mehr wegzudenken ist. Er bezeichnet die Tatsache, dass Fahrer auch privat genutzter Dienstwagen diesen mit einem Prozent vom Listenpreis plus 0,03 Prozent pro Kilometer Arbeitsweg pauschal versteuern müssen. Schon wenn man eine Beispielrechnung aufmacht, fragt man sich sofort, wo da eigentlich das Privileg ist. Wer eine Mercedes E-Klasse für 50.000 Euro auch privat nutzt, muss bei 30 Kilometern Arbeitsweg 950 Euro pro Monat versteuern. Macht beim Spitzensteuersatz von 45 Prozent 427,50 Euro monatliche Belastung. Das heißt, es lohnt sich schon heute kaum noch, einen Dienstwagen zu fahren. Denn dafür lässt sich problemlos ein schönes Auto finanzieren.
Wenn der Chef die monatliche Leasingrate für den Dienstwagen noch als Gehaltserhöhung überweist, wird klar, dass aus dem "Privileg“ durch die von Finanzminister Theo Waigel 1996 eingeführte Dienstwagensteuer längst eine Belastung geworden ist. Von einem Vorteil kann keine Rede mehr sein. Jede Erhöhung der Steuer würde dazu führen, dass sich viele Menschen künftig gegen ein solches Auto entscheiden. Dabei vergessen die Kritiker der aktuellen Regelung leicht: Die meisten der rund 600.000 pro Jahr verkauften Dienstwagen sind nicht die viel zitierten E-Klassen, BMW Fünfer oder Audi A6: Rund 45 Prozent sind Kompakt- und Mittelklasseautos, nur zehn Prozent Ober- und Luxusklasse.
Gerade für die deutschen Autohersteller, die bei den Dienstwagen mit weitem Abstand Marktführer sind, spielt dieser Absatzkanal aber eine große Rolle. So hat Audi im vergangenen Jahr 38 Prozent seines Inlandabsatzes an Unternehmen geliefert, die mindestens zwei Autos im Fuhrpark haben. Bei BMW betrug der Anteil 33 Prozent, bei Mercedes und VW 26 Prozent. Dieser Absatzkanal ist hoch profitabel und vor allem krisenresistent. Ein Privileg ist der Dienstwagen deshalb vor allem für die Zigtausend Beschäftigten in den Autowerken und bei Zulieferern, die diese Fahrzeuge fertigen.