Herr Stark, im April ist Autoscout 15 Jahre alt geworden. Wie hat sich der Gebrauchtwagenmarkt in dieser Zeit verändert?
Fundamental. Praktisch jeder Käufer informiert sich über Onlinebörsen. Dort können viel mehr Informationen als in den alten Zeitungsanzeigen gegeben werden. In Kürze führen wir sogar Videos ein, auf denen der Kunde das Auto von allen Seiten erleben kann. Mehr Informationen über die Ware schaffen beim Kunden Vertrauen und er ist bereit, mehr zu bezahlen. Davon profitieren die Händler.Aber der Kunde kann auch schneller überblicken, wo er ein Auto am billigsten bekommt.Das stimmt, aber ich denke der erste Effekt überwiegt.Wie sehr spüren Sie denn die Krise im Rest Europas?Es gibt Länder, wo es sehr schwierig geworden ist, wie Spanien. Aber in den meisten Ländern treibt sie den Gebrauchtwagenmarkt eher an. Ein angespannter Neuwagenbereich belebt normalerweise den Gebrauchtwagenbereich, denn die Nachfrage nach preisgünstigeren Fahrzeugen nimmt zu.Der von Ihnen erhobene Index der Gebrauchtwagenpreise ist seit Jahresbeginn kräftig gefallen. Bei mobile.de ist im ein Anstieg zu beobachten. Wie erklären Sie sich das?Ich kann nur für unseren Index sprechen. Da sehen wir, dass die Überproduktion an Neuwagen in die Märkte kommt und die hohen Preisnachlässe bei den Neuwagen auch auf die Gebrauchten drücken.Müsste nicht der durch Eigen- und Kurzulassungen steigende Anteil junger Gebrauchter die Durchschnittspreise nach oben ziehen?Dafür ist ihr Anteil zu klein. Sie können nicht den Preisverlust in der großen Masse kompensieren.Das Internet dominiert das Gebrauchtwagengeschäft seit vielen Jahren. Was wird das nächste große Ding?Inzwischen kommen fast 38 Prozent unserer Detailseitenanfragen über mobile Endgeräte. Das ist enorm und hat unsere Erwartungen übertroffen. Damit will uns der Kunde etwas sagen und wir müssen ihn beobachten, um zu sehen, was er will. Was genau das ist, müssen wir im Detail noch herausfinden. Wir wissen jedoch, dass die Nutzung unserer Dienstleistung über die Gerätegrenzen hinaus geht. Deshalb müssen wir dem Kunden die Möglichkeit schaffen, unsere Angebote nahtlos und über alle Geräteklassen hinweg – ganz so, wie es für ihn passt – nutzen zu können.Wo wirkt sich der Unterschied zwischen klassischer und mobiler Nutzung konkret für Sie aus?Der Kontext der mobilen Suche beeinflusst das Verhalten des Kunden – zum Beispiel wo er sich gerade aufhält. Eine Möglichkeit können dabei ortsabhängige Informationen sein.Mobile.de setzt derzeit stark auf das Neuwagengeschäft. Ist bei Ihnen ähnliches geplant?Nebst Bestandsneuwagen bedienen wir seit Beginn 2011 auch den Neuwagen-Konfigurator, mit dem unsere Nutzer ihr individuelles Fahrzeug zusammen stellen können. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Thema Neuwagenkonfiguration und Bestellung über das Internet eine große Zukunft hat.Wie viele Neuwagen waren es bei Ihnen im vergangenen Jahr?Bei konfigurierbaren Fahrzeugen arbeiten wir mit Autohaus24 zusammen. Die genauen Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen. 2012 betrug der Anteil an Bestands-Neufahrzeugen auf unserem Portal in Deutschland rund 14%.Wie ist denn bei Ihnen im Haus die Erwartung für die Entwicklung des Gebrauchtwagenmarktes im Rest des Jahres?Derzeit liegen die Besitzumschreibungen mit circa drei Prozent gegenüber dem Vorjahr im Plus, wobei gerade der Juli ein starker Monat war. Wir gehen derzeit davon aus, dass der Gebrauchtwagenmarkt sich im zweiten Halbjahr auf einem ähnlichen Niveau bewegen wird.Autohandel im Internet
Informationen schaffen beim Kunden Vertrauen
Autoscout24 ist seit inzwischen 15 Jahren aktiv. In dieser Zeit hat sich das Gebrauchtwagengeschäft massiv verändert. Geschäftsführer André Stark im Gespräch über Trends und die aktuelle Situation des Marktes.