Wir wollen unser Leistungsspektrum vervollständigen um unsere Kunden besser bedienen zu können. Wir könnten dann die HU jederzeit anbieten und nicht nur wenn die Prüfingenieure der Überwachungsorganisationen anwesend sind. Zudem sinkt der Aufwand wenn nicht erst ein Prüfingenieur anreisen muss. Und die Arbeitspunkte von Vorprüfung und Inspektion im Betrieb und HU überlappen sich zumindest teilweise wodurch heute ein Mehraufwand entsteht. Hier ließe sich die Effizienz zugunsten des Kunden steigern.
"Wir wollen unser Leistungsspektrum vervollständigen"
Das mag im Ergebnis der Fall sein. Wir wollen aber nicht der Billige Jakob sein. Entscheidend ist, dass die Qualität gewahrt bleibt.
Das können wir noch nicht genau beziffern. Anfangs wird der Anteil sicherlich geringer sein - schon weil man einen gewissen Vorlauf braucht, um das Personal zu schulen. Wie er sich langfristig entwickelt, wird man sehen. Es ist aber auch nicht unser Ziel, sämtliche HUs für uns zu beanspruchen und die Überwacher vom Markt zu verdrängen.
Der Meister weiß, wie man mit Autos umgeht. Dem muss man manche Dinge nicht beibringen, die ein junger Prüfingenieur, der gerade von der Hochschule kommt noch lernen muss. Was der Meister noch lernen muss, ist insbesondere der Bereich der Vorschriftsmäßigkeit von Fahrzeugen. Wir gehen davon aus, dass diese Erstqualifikation etwa zwei Monate dauert. Zudem soll es pro Jahr fünf Tage Wiederholungsschulungen geben.
Auch ein kleiner Betrieb kann in nennenswertem Umfang HUs ausführen. Wir behaupten aber auch gar nicht, dass das für jeden wirtschaftlich ein Muss ist. Jeder Betrieb muss schauen, ob es sich für ihn rechnet aber auch, was es ihm wert ist, diese Zusatzleistung seinen Kunden anbieten zu können.
Auch schwere Nutzfahrzeuge und Busse werden im Rahmen der Sicherheitsprüfung geprüft und gewartet, ohne dass es bisher zu Beanstandungen gekommen ist. Da kann man den Betrieben die HU durchaus zutrauen.
Es darf natürlich kein eigenes Interesse der Prüfer das Ergebnis der Prüfung beeinflussen. Aber man muss das mal ganz nüchtern sehen: Wenn die Betriebe ihre Kunden mit falschen Diagnosen übervorteilen wollten, wären sie dafür nicht auf die HU angewiesen. Und skeptische Kunden können ja weiterhin in die Prüfstelle fahren oder einen Prüfingenieur anfordern. Das wird nach unserer Überzeugung aber nicht in allzu vielen Fällen geschehen.Auch Gefälligkeitsgutachten, bei denen der eine oder andere Mangel übersehen wird, wären ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflichten eines Prüfers. Um all dies zu verhindern haben wir auch ein ausgeklügeltes webbasiertes Kontrollsystem in unser Konzept eingebunden und schaffen eine Beschwerdestelle.Jede Hauptuntersuchung muss direkt online eingegeben werden. Zufallsbasiert werden dann noch vor Ort Nachprüfungen durchgeführt – mit eskalierenden Sanktionen bei Verstößen, bis hin zur dauerhaften Sperrung eines Betriebs für die HU. Zudem werden Betriebe, die schon einmal aufgefallen sind, häufiger kontrolliert. Ein ähnliches System wird in den Niederlanden praktiziert - mit sehr positiven Erfahrungen. Dort wird bei weniger als zehn Prozent der Nachprüfungen etwas beanstandet. Verglichen mit den Befürchtungen ist das jedenfalls ein sehr überschaubarer Wert.
Wir streben einen ähnlichen Wert wie in Holland an. Dort sind es drei Prozent. Das ist aber im Moment lediglich eine Orientierungsgröße.
Das muss sich aus dem System heraus über die Einnahmen aus der HU finanzieren.
Dieses Argument ist völliger Unsinn. Die Niederlande und Großbritannien beispielsweise, beides Länder mit Werkstatt-HU, haben die niedrigste Quote an Verkehrstoten in ganz Europa. Da spielen so viele Faktoren mit, dass man das nicht seriös anführen kann. Natürlich ist die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ein hohes Gut. Aber es ist Unfug zu behaupten, dass es hier einen Zusammenhang gibt.
Jeder, der anderer Meinung ist, hat das gute Recht, das auch zu äußern. Bei vielen ist aber die anfängliche Skepsis gewichen, je mehr man ihnen das Konzept nahebrachte. Auch wenn die Meister-HU kommt, kann sich ja jeder frei entscheiden, ob er sie anbietet. Es spricht ja nichts dagegen, die Option zu schaffen. Aber es gibt auch noch Einige, die weiterhin skeptisch sind.
Die Prüfer werden wir nicht überzeugen können, das liegt in der Natur der Sache. Wichtig ist, diejenigen auf Bundes- und Länderebene zu überzeugen, die darüber befinden. Da ist der nächste Schritt die Sitzung des Bund-Länder-Fachausschusses Technisches Kraftfahrzeugwesen am 5. März. Und wir sind zuversichtlich, dass uns das gelingen wird. Je mehr man erklärt und die Hintergründe erläutert, desto mehr gewinnt man Verständnis und im Idealfall auch Zustimmung.
Es wird ja am 5. März noch nicht endgültig und formell entschieden. Bis der erste Meister im Kfz-Betrieb eine Hauptuntersuchung durchführt wird es noch einige Zeit dauern. Das ist kein 100-Meter-Sprint.
Wir gehen nicht davon aus, dass die Meister-HU auf europäischer Ebene verpflichtend eingeführt wird. Aber sie ist ja bereits im aktuellen Regelwerk möglich und wir gehen davon aus, dass auch künftig die Entscheidung auf nationaler Ebene fallen wird.